Berlin : Trauer im Klassenzimmer

Nach Domenicks Tod blieben viele Schüler am Montag zu Hause

André Görke

Was sie an diesem Montagmorgen mit ihren Schülern machen würde, das wusste die Klassenlehrerin selbst nicht. Gemeinsam frühstücken vielleicht. Und dann einfach miteinander reden. Doch als sie am frühen Morgen den Klassenraum betrat, waren nur zwei der 25 Kinder gekommen. Zu tief sitzt der Schock über den Tod ihres Mitschülers Domenick. Der elfjährige Junge war am Freitag an einer Hirnhautentzündung verstorben.

Gatow, kurz vor acht Uhr morgens: Die Kinder kommen von der Bushaltestelle am Rittelfelddamm die Straße zur Mary-Poppins-Grundschule hochgelaufen. Dass an diesem Morgen kaum Unterricht stattfinden würde, hat sich an der Schule schnell herumgesprochen. „Die Kinder sind unruhig, sie wollen wissen, was mit Domenick passiert ist“, sagt Schulleiterin Irmgard Schadach. Unterricht nach Stundenplan mache jetzt wenig Sinn. Und auch die Lehrer wollen reden.

Viele Eltern seien „besorgt“, sagt Schadach. „Sie trauen dem Frieden noch nicht.“ Sie habe an diesem Morgen die Frage gehört, warum der Klassenraum, in dem Domenick saß, nicht desinfiziert worden sei, „aber wir haben uns da informiert. Wir müssen das nicht machen. Die Sorge ist unbegründet.“ Zu diesem Fazit kam am Sonntag bereits Siegurd Peters. Der Infektionsschutz-Experte beim Gesundheitssenator sagte dem Tagesspiegel, dass „kein Risiko mehr besteht“. Klare Aussagen wie diese sind wichtig: Nachdem die Kinder am Freitag nach Hause geschickt worden waren, brach in Arztpraxen Chaos aus, berichtet eine Mutter. Personen, die mit Domenick in Verbindung standen, waren untersucht und vorsorglich mit Antibiotika behandelt worden.

Schulleiterin Schadach kündigt an, Eltern, die ihre Kinder aus Sorge zu Hause gelassen haben, „gezielt“ anzurufen. Wie viele Schüler dem Unterricht fern blieben, kann sie nicht sagen: „Viele Kinder haben einfach die Grippe.“

Die Mutter von Domenick war am Morgen in der Schule erschienen. Sie brachte die zwei Jahre jüngere Tochter zum Unterricht. „Sie wirkte sehr gefasst“, sagt Schadach. „Es wird Tage dauern, bis sie verarbeitet, was passiert ist.“

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