Treiger : Erste Rabbinerin seit 75 Jahren

Erstmals nach dem Holocaust ist in Deutschland eine Rabbinerin ordiniert worden. Der Bundespräsident gratulierte Alina Treiger und ihren Kommilitonen zur Weihe.

Spricht fünf Sprachen. Die 31-jährige Alina Treiger wird künftig zwei Gemeinden in Niedersachsen betreuen. Foto: Odd Andersen/AFP
Spricht fünf Sprachen. Die 31-jährige Alina Treiger wird künftig zwei Gemeinden in Niedersachsen betreuen. Foto: Odd Andersen/AFPFoto: AFP

Erstmals nach dem Holocaust ist in Deutschland eine Rabbinerin ordiniert worden. Die 31-jährige, aus der Ukraine stammende Alina Treiger wurde am Donnerstag geweiht. An der Zeremonie in der Charlottenburger Synagoge in der Pestalozzistraße nahm auch Bundespräsident Christian Wulff teil. Jüdisches Leben hat nach seinen Worten in Deutschland wieder auf intensive Weise Wurzeln geschlagen. Das gelte für jüdisches Leben aller Richtungen, von orthodox bis liberal. „Ich freue mich sehr darüber, dass wir in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum feiern: 200 Jahre liberales Judentum in Deutschland“, sagte Wulff. 1935 war Regina Jonas als erste Rabbinerin in Deutschland ordiniert worden war. Sie starb 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau.

Treiger, die künftig die Gemeinden Oldenburg und Delmenhorst betreuen wird, hat am Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam studiert – neben der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg das einzige wissenschaftliche Ausbildungsinstitut für Rabbiner in Mitteleuropa. Dort wird das reformorientierte Judentum vertreten – anders als bei den Orthodoxen dürfen hier auch Frauen Ämter übernehmen. Treiger ist mit einem früheren Kommilitonen verheiratet und spricht fünf Sprachen: Deutsch, Ukrainisch, Russisch, Hebräisch und Englisch.

Wulff sagte, das Amt einer Rabbinerin oder eines Rabbiners sei kein rein religiöser Dienst, der die Gesellschaft nichts angehe, so wie auch der religiöse Glaube gesellschaftlich nicht neutral sei. „Für unsere Gesellschaft, für unser Zusammenleben, ist es wichtig, dass wir uns politisch miteinander auseinandersetzen und füreinander engagieren.“ dpa

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben