Berlin : Türken zeigen Europa: „Wir gehören hierher“

Suzan Gülfirat

GAZETELER RÜCKBLICK

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Das war das Medienereignis für die Europaausgaben der türkischen Zeitungen. Doch nicht nur das. Das staatliche türkische Fernsehen TRT, das in Berlin über Kabel empfangen werden kann, übertrug die Bilder von der Feier zum „Türkischen Tag“ am Brandenburger Tor live. Zum zweiten Mal liefen am Sonnabend Tausende von Türken in einer Parade vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor, um dort zu feiern und der Bevölkerung in Europa zu zeigen: „Wir gehören hierher.“ Die Resonanz der türkischen Medien auf dieses Ereignis war deshalb riesig, wobei ihre Botschaft nicht ganz klar wurde.

„Prachtvolle Veranstaltung“ (Türkiye), „Der Tag gehört den Türken“ (Milliyet) und „Türkische Begeisterung in Berlin“ (Hürriyet), titelten sie auf ihren ersten Seiten am Sonntag und zeigten viele Bilder, auf denen außerdem tausende von Türken mit unzähligen türkischen Fahnen zu sehen waren. Die Zeitungen waren sich sicher, dass sie im 42. Jahr der Migration nun zu einer gemeinsamen Stimme wurden. Einem Schreiber der Tageszeitung Türkiye war das Thema sogar einen Kommentar wert. „Um es in einem einzigen Satz zu sagen: Der zweite Friedensmarsch war großartig. Statt ihren freien Tag zu Hause zu verbringen, sind tausende unserer Leute von überall hierher gekommen“, schrieb er. Doch hatte er auch etwas auszusetzen: „Einige Vertreter, die große Namen tragen, fehlten.“ Namen nannte er nicht, aber die SPD–Abgeordneten Dilek Kolat und Ülker Radziwill konnte er nicht meinen. Die waren da. Auch Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, Christoph Stölzl (CDU), schauten vorbei, aber sie wurden nicht erwähnt. Dagegen berichteten die Zeitungen von mehreren türkischen Generalkonsulen auf dem Fest. Außerdem sah der Leser Bilder des türkischen Botschafters Osman Korutürk. „Vorbildliche Einheit“, zitierte ihn die Milliyet. „Botschafter Korutürk lief an der Spitze des Festzuges“, schrieb die Hürriyet.

Doch zurück zum Türkiye-Schreiber. Er schimpfte auch auf die „einseitige“ Berliner Polizei, die angab, dass etwa 18 000 Menschen an der Parade teilgenommen haben. Die Veranstalter meinen, dass es 40 000 waren. „Wäre diese Parade eine PKK-Veranstaltung gewesen, wären die Zahlen sicherlich höher ausgefallen“, meinte der Schreiber. Dabei war der „Türkische Tag“ aus der Distanz wirklich nett anzusehen.

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