TV-Kritik : Da hilft nur Gnade

von

Da hatte sich der RBB was eingebrockt. Drei Stunden über eine Hochzeit zu berichten, die eigentlich keinen etwas angeht, ist nicht einfach. Wie kann ein Sender die langen Stunden füllen, ohne die Zuschauer nicht grenzenlos zu langweilen? Da musste immer wieder betont werden, dass es sich um ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges handelt, wobei es dem Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert sichtlich schwerfiel, solche Worte in den Mund zu nehmen. Schließlich handelte es sich nicht um eine Hochzeit in einem regierenden Haus. Die immer wieder erwähnte Hochzeit in England ist wohl ein abseitiger Vergleich, worauf der Adelsexperte aufmerksam machte, wenn er von einem „brandenburgischen Ereignis“ sprach. Bleibt wenigstens die „große Kulisse“. Auch diesese wurde häufig bemüht, um die Bedeutung hervorzuheben.

Und dann die vielen Namen. Der Reihe nach wurden die Gäste aus dem Hochadel vorgestellt, jeweils mit vollem Namen, in einer kaum endenwollenden Aufzählung, tapfer vorgetragen. Die bekanntesten Gesichter waren wohl bürgerliche Gäste, Ministerpräsident Platzeck, Künstler Max Raabe oder Fußballtrainer Otto Rehhagel. Der ist mit dem Bräutigam befreundet und bekannte freimütig, ein „halber Preuße“ zu sein, „ein bisschen Ordnung muss schließlich sein“.

„Tausend Jahre Geschichte schwingen mit, wenn wir hier feiern“, hieß es in der Predigt. Genau diese Überhöhung einer privaten Veranstaltung ist es, was die RBB-Fernsehübertragung problematisch macht, weniger der etwas kleinliche Hinweis, was das den Gebührenzahler kostet. Die ARD kennt durchaus noch unwichtigere Sendungen, da muss man den armen RBB fast loben, dass er das über die Bühne gekriegt hat. Eine dreistündige Hochzeitsübertragung ohne gähnende Langeweile, das hätte auch ein anderer Sender nicht geschafft. Seien wir gnädig. Und wann sieht man bei einer Hochzeit schon einen Bräutigam, der sich vor dem Altar offen und unbekümmert freut?

Das war doch ein schönes Bild – von einer privaten Veranstaltung, einem frohen Ereignis, bei dem dank RBB ein paar Leute zuschauen durften. Andreas Oswald

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben