TV-Sendung im Faktencheck : Mario Barth lästert über Teltow - zurecht?

Teltow war Thema in „Mario Barth deckt auf“. Es ging um die Kostenexplosion beim neuen Hafen. Ein Faktencheck zur TV-Sendung.

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Ihr habt doch einen Vogel! Mario Barth deckt Steuerverschwendungen auf - recherchiert aber auch gerne mal ungenau.
Ihr habt doch einen Vogel! Mario Barth deckt Steuerverschwendungen auf - recherchiert aber auch gerne mal ungenau.Foto: Emily Wabitsch/dpa

Eigentlich ist Steuerverschwendung nicht zum Lachen. Doch „Mario Barth deckt auf“ macht daraus trotzdem eine Comedy auf RTL. Diese Woche schalteten 3,5 Millionen Zuschauer ein, etwas mehr als Anne Will mit ihrem Interview der Bundeskanzlerin. Was bekamen sie zu sehen? Neben Blitzerabzocke in Berlin, einem Museumsprachtbau in Ottobeuren und Stuttgart 21 ging es um den Teltower Hafen, für Barths Ermittler Joachim Llambi die reinste Verschwendung. Er lässt Euro-Faltbötchen im Teltowkanal versinken. Ein Faktencheck.

„Ich bin hier, weil Teltow die 25. Hansestadt in Deutschland wird“, sagt Llambi. Für ihn ist das Hafenprojekt reiner Unsinn, da der Teltowkanal wegen Wasserqualität, Güterverkehr und schlechter Anbindung an Havel und Spree dafür total ungeeignet sei. Teltow wird natürlich eher nicht Hansestadt, dafür gibt es für die 19 Dauerliegeplätze ein Vielfaches an Anmeldungen, außerdem werden 20 Gastlieger gebaut. Der Hafen ist Wunschprojekt des Wassersportentwicklungsplans des Landes Brandenburg. Der Wirtschaftsverband Wassersport hat Potenzial für einen größeren Hafen gesehen. Der Teltowkanal gewinnt als Umfahrungsroute für Berlin an Bedeutung, der Sportbootverkehr hat sich in zehn Jahren fast verdoppelt.

Von 3,8 auf 11,1 Millionen Euro

„Nicht kleckern, kotzen“, sagt Llambi und übergibt sich showmäßig, weil sich der Hafen von 3,8 auf 11,1 Millionen Euro verteuert habe. „Ganz viele“ meinten, dass er am Ende 15 Millionen kosten werde. Tatsächlich haben die Stadtverordneten Ausgaben von 10,1 Millionen Euro für das Hafenprojekt freigegeben. Ursprünglich sollte es nur 4,2 Millionen kosten. Dass es teurer wird? Wohl nicht auszuschließen. Aber 15 Millionen?

So soll der neue Hafen am Zeppelinufer in Teltow aussehen.
So soll der neue Hafen am Zeppelinufer in Teltow aussehen.Grafik: Stadt Teltow

Llambi erklärt weiter, dass Kostentreiber die Natur gewesen sei und die Stadt für die Umsiedlung von 19 Zauneidechsen vom Hafengrundstück „80 000 Kröten, äh, Euro“ ausgeben musste. Richtig ist, dass der größte Kostentreiber die Altlasten sind. Tatsächlich musste die Stadt auch 80 000 Euro zahlen, um – so ist es vom Naturschutzgesetz gefordert – die Zauneidechsen vom Baugrundstück zu retten und ihnen ein neues Biotop am Stadtrand zu bauen. Es wurde sogar eine Eidechsenexpertin dazu eingestellt.

Hier wurden früher Teile der Mauer produziert

Llambi erklärt, dass sich auf dem Gelände mal eine Galvanikfabrik befunden habe und Berliner Mauerteile produziert wurden. Kabel, Teer, Schutt und Schwermetalle seien im Boden gefunden worden. Eine Galvanikfabrik gab es zwar nicht, aber richtig ist, dass es mal eine Betonfabrik gab und nebenan noch gibt, in der auch Berliner Mauerteile gebaut wurden. Unter anderem sind Ölreste, die vom Einschalen des Betons übrig geblieben sind, ein Problem.

In der Sendung heißt es, dass der Hafen ein Bürgermeisterprojekt sei, die Teltower sich dringender ein Schwimmbad wünschten und das Geld besser für löchrige Straßen verwendet worden wäre. „Wie viel Wut haben Sie eigentlich auf den Bürgermeister?“, fragt Llambi einen Teltower, geschlossene Frage nennt man das. Tatsächlich beruht das Hafenprojekt auf Mehrheitsbeschlüssen der Stadtverordneten. Der Wunsch nach einem Schwimmbad rückte auf Platz eins des Bürgerhaushalts, als das Hafenprojekt schon im Gange war. Allein in diesem Jahr wird noch mit der Sanierung von drei Straßen begonnen, erst am Mittwoch wurden zudem 1,4 Millionen Euro für eine Straße freigegeben. Die Sanierung einer weiteren, löchrigen Straße wurde aus dem Haushalt gestrichen, weil sich Bürger dagegen wehrten – wegen der Ausbaubeiträge.

Llambi vom Börsenmakler zum Reporter

Fazit: Llambi war Börsenmakler und Turniertänzer, ist als TV-Juror von „Let’s Dance“ bekannt. Seine journalistische Leistung geht dafür in Ordnung, für Comedy dürfte es lustiger sein. Bemerkenswert an Teltow findet Llambi den „Rübchengeist“. Ein halbes Fläschchen von dem Schnaps, und die Sendung wäre gar nicht mal so schlecht gewesen. Wobei Bürgermeister Thomas Schmidt mit seinem Original-Barth-T-Shirt „Nicht quatschen, machen“ ganz gut mithalten kann.

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