• U-Bahn-Brand: Die aktuelle Frage: Wie gefährlich war der Rauch in der U-Bahn? (Interview)

Berlin : U-Bahn-Brand: Die aktuelle Frage: Wie gefährlich war der Rauch in der U-Bahn? (Interview)

Wie gefährlich war der Rauch in der U-Bahn?

Thorsten Bender ist Arzt im Praktikum und arbeitet derzeit auf der Intensivstation des Klinikum Rudolf Virchow.



Wie gefährlich war der Rauch in der U-Bahn?

Rund 350 Menschen waren am Sonnabend bei dem Brandunglück im U-Bahnhof Deutsche Oper etwa eine Viertelstunde den Rauchschwaden ausgesetzt. Nachdem die Feuerwehr die Fahrgäste ins Freie geführt hatte, brachte sie rund 30 Verletzte mit dem Verdacht auf Rauchvergiftung in ein Krankenhaus. Die Feuerwehr forderte aber alle Fahrgäste auf, sich unbedingt ärztlich untersuchen zu lassen - auch wenn sie keine Beschwerden verspürten. Ein Gespräch über die Gefahren einer Rauchvergiftung.

Weshalb sollte man zum Arzt gehen, auch wenn man keine Symptome hat?

Weil ein Brand wie dieser tückische Wirkungen haben kann. Wenn Kunststoff verbrennt, entwickeln sich gefährliche Reizgase wie Salzsäure oder Stickstoffdioxid. Es kann passieren, dass nach einem kurzen Hustenreiz die Symptome verschwinden, weil manche Reizgase erst nach einer Weile wirken.

Und was passiert dann?

Es kann sich Wasser in der Lunge bilden, also ein toxisches Lungenödem. Dann bekommt man akute Atemnot und muss möglicherweise beatmet werden. Die Gefahr, dass sich ein Lungenödem bildet, besteht vier bis 48 Stunden nach dem Vorfall. In Einzelfällen kann es nach drei bis vier Wochen auch zu irreparablen Lungenschäden kommen.

Wie wird eine Rauchvergiftung behandelt?

Wenn Reizgase eingeatmet wurden, muss man Cortison-Spray einsetzen. Bis zu sechs Stunden lang zwei Hübe alle fünf Minuten, dann dürfte die Gefahr, dass sich ein Lungenödem bildet, gebannt sein. In den schweren Fällen, wo es zu einem Ödem kommt, kann eine Beatmung mit 100 Prozent Sauerstoff notwendig werden.

Spürt man denn die Symptome einer Rauchvergiftung sofort, wenn keine Kunststoffe verbrennen?

In der Regel ja. Dann kommt es zu Schleimhautreizungen, Brennen in der Lunge, Hustenreiz, Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Atemnot.

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