Über 5 Milliarden Euro : Spendenrat erwartet neues Rekordergebnis

Besonders Naturkatastrophen und die Flüchtlingskrise bewegten die Deutschen in diesem Jahr. Der Spendenrat rechnet für 2015 mit neuem Rekordergebnis.

Kathrin Merfort
Spenden in 2015 liegen deutlich über dem Vorjahresniveau Foto: dpa/Bernd Thissen
Spenden in 2015 liegen deutlich über dem VorjahresniveauFoto: dpa/Bernd Thissen

Im laufenden Jahr könnte das Spendenaufkommen in Deutschland einen neuen Rekord erreichen. Für 2015 wird mit Spenden von Privatpersonen von insgesamt deutlich über fünf Milliarden Euro gerechnet. Das teilte der Deutsche Spendenrat am Mittwoch in Berlin mit. Hauptursachen für die hohe Spendenbereitschaft seien das Erdbeben in Nepal im April sowie die Flüchtlingskrise, die das ganze Jahr über, aber vor allem seit August die Menschen bewegte.

Die Spenden der Deutschen lagen nach einer Zwischenbilanz des Deutschen Spendenrats e.V. bereits in der Zeit von Januar bis September 2015 bei 3,4 Milliarden Euro – das ist ein Anstieg um 13, 6 Prozent und deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum.

Mehr als 18 Millionen Deutsche spenden 2015 Geld - Humanitäre Hilfe am wichtigsten

So verzeichneten kirchliche Organisationen entsprechende Zuwächse. Die katholischen 13 Prozent, die evangelischen 17,5. Fast die Hälfte aller Spenden ging aber an kleinere nichtkonfessionelle Organisationen, knapp 22 Prozent an die großen. Die Anzahl der Spender stieg dabei in allen Altersgruppen an. Waren es 2014 noch rund 17,3 Millionen Menschen, die Geld überwiesen, sind es 2015 voraussichtlich 18,4 Millionen. Damit haben 27 Prozent der deutschen Bevölkerung per Überweisungsbeleg oder Onlineklick Spenden überwiesen.

Am wichtigsten war ihnen laut der Bilanz die humanitäre Hilfe. Aber auch der Spendenbereich Tierschutz entwickelte sich positiv. An Bedeutung gewonnen habe zudem die Not- und Katastrophenhilfe. Darunter fallen die Spenden für die Naturkatastrophen in der Welt – besonders die Erdbeben in Nepal Ende April und im Mai. Auch Spenden in Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, vor allem im September, prägen das Bild der Deutschen als spendenwillige Nation.

Alltag im Flüchtlingsheim
Milat aus dem Iran schleift mit anderen die Außenseite des Kunstasyl-Bauwagens. Er ist das Symbol des Projekts. Das Heim befindet sich im Hintergrund. Im Februar hat die deutsch-schweizerische Künstlerin Barbara Caveng in einem Heim für Asylsuchende in Spandau ein Kunstprojekt begonnen. Beim "Kunstasyl" entscheiden die Bewohner mit den Künstlern gemeinsam, was sie tun wollen, um das Heim zu einer Heimat zu machen - und sei es auf Zeit. Ein Teil der Fotos von Till Rimmele sind am 23. Juli 2015 auch in einem vierseitigen Dossier zum Thema im gedruckten Tagesspiegel erschienen, oder nachzulesen im E-Paper. Foto: Till RimmeleWeitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: Till Rimmele
23.07.2015 00:02Milat aus dem Iran schleift mit anderen die Außenseite des Kunstasyl-Bauwagens. Er ist das Symbol des Projekts. Das Heim befindet...

Spenden von Jung und Alt

Zudem haben die Menschen auch häufiger gespendet. Der Durchschnitt lag bei 5,3 Spenden pro Person. 2014 waren es noch 5,1. Die durchschnittliche Spende erhöhte sich darüber hinaus von 34 auf 35 Euro. Dabei gingen nur wenige Onlinespenden ein. Denn über 50 Prozent der Spender gehören der Generation 50 plus an, und Ältere sind weniger internetaffin als Jüngere. Junge Menschen engagieren sich vergleichsweise eher durch Zeitspenden, oft in Form von ehrenamtlicher Hilfe. Von den 10- bis 29-Jährigen haben 2014 aber rund fünf Prozent Geld gegeben – 2015 waren es es noch vier Prozent.

Die Zahlen wurden vom Marktforschungsunternehmen GfK auf Basis einer monatlichen Befragung von 10.000 Deutschen im Alter ab zehn Jahren ermittelt und dann hochgerechnet. Nicht berücksichtigt wurden Großspenden und Erbschaften. Der Rat ist die Dachorganisation von 66 gemeinnützigen Vereinen und Organisationen, die sich auf gemeinsame Standards für Qualität und gegen sittenwidrige Werbung geeinigt haben.

In diesen Bereichen gingen die Spenden zurück

In bestimmten Bereichen verzeichneten sie aber auch einen Spendenrückgang: Und zwar beim Natur- und Umweltschutz sowie bei Kultur- und Denkmalspflege. Warum? Spekulationssache. Die persönlichen Mailings sind aufgrund positiver Spendenentwicklungen zurückgegangen. Die Folge: Rückläufiges Spendenvolumen. Zudem würden Medienthemen wie die Flüchtlinge das Spendenverhalten ebenso beeinflussen, heißt es.

47,7 Prozent der Spender bekamen allerdings laut Studie keinen direkten Anstoß – und engagierten sich trotzdem finanziell. „Menschen spenden regelmäßig an Organisationen, denen sie vertrauen, ein Trend, der sich durch alle Altersgruppen zieht“, sagt Daniela Felser, Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats e.V.

Erdbeben im Himalaya
Der Harishankara-Tempel in Patan in Nepal nach dem Erdbeben. Rohit Ranjitkar machte das Foto am 26. April 2015. Die Gerda Henkel Stiftung will das Denkmal gemeinsam mit Partnern in Nepal wieder aufbauen. Foto: Gerda Henkel StiftungWeitere Bilder anzeigen
1 von 32Foto: Gerda Henkel Stiftung
02.05.2016 23:33Der Harishankara-Tempel in Patan in Nepal nach dem Erdbeben. Rohit Ranjitkar machte das Foto am 26. April 2015. Die Gerda Henkel...

Neuer Spendenrekord erwartet

Die Entwicklung lässt laut Experten für das Jahr 2015 einen Anstieg des Spendenvolumens und damit ein weiteres Rekordjahr erwarten. Bis Jahresende könnte das Gesamtvolumen demnach auf rund 5,6 Milliarden Euro steigen. Das wären 600 Millionen mehr als 2014. „Wie hoch die Steigerung des Spendenvolumens 2015 tatsächlich ausfallen wird, hängt nicht zuletzt auch von der Entwicklung und Stimmungslage der Bevölkerung zum Thema Flüchtlinge ab“, sagt Felser.

Tipps und Infos: www.spendenrat.de/spendeninfos/spenden-aber-richtig

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