Berlin : „Über Ausländer wurde nicht schlecht geredet“

Auf der Titelseite – wie die türkische Zeitungen über den Integrationsgipfel berichten

Suzan Gülfirat

„Wir wollen die Zukunft Deutschlands zusammen mit den Migranten gestalten.“ So zitierte die Hürriyet am Sonnabend Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das Thema Integrationsgipfel, zu dem am vorigen Freitag 86 Teilnehmer zusammengekommen waren, fand sich auf der Titelseite dieser Zeitung wieder – allerdings nicht als Seitenaufmacher, sondern als Meldung, die auf die Europa- Beilage im Blatt verwies. Dazu gab es ein Foto, auf dem der Leiter der Berlin-Redaktion des Blattes, Ahmet Külahçi, an Merkels Seite zu sehen war.

Umso größer berichtete die Zeitung über das Thema auf der Titelseite ihrer Europa-Beilage. Darauf waren nur Geschichten vom diesem Gipfel zu lesen. 13 türkische Vereine hätten daran teilgenommen, berichtete das Blatt. „Ein historischer Tag“ lautete die Überschrift zum Haupttext. „Der Schlüssel zur Integration ist die Sprache“, zitierte die Hürriyet darin noch einmal die Kanzlerin. Das Blatt führte zudem genau auf, wer alles teilgenommen hatte. Fünf der Teilnehmer, darunter auch Ahmet Külaçi, waren aus Berlin. Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, sagte der Hürriyet nach dem Gipfel: „Zwei Dinge hätten auf dem Gipfel noch gesagt werden müssen: Die Migranten sind jetzt ein Teil dieser Gesellschaft, und dass Deutschland ein Einwanderungsland ist.“ Havva Engin, Erziehungswissenschaftlerin an der Technischen Universität Berlin, wird von der Zeitung mit der Aussage zitiert: „Der Gipfel war inhaltlich gut, aber es gab Organisationsschwierigkeiten.“ Auch die stellvertretende Vorsitzende der Föderation der Türkischen Elternvereine in Deutschland, Berrin Alpek, bewertete den Gipfel als gut und gab auch den Grund dafür an: „Über Ausländer wurde nicht schlecht gesprochen.“

Die Türkiye füllte mit dem Thema am Sonnabend mehr als die halbe Titelseite. Die Überschrift dazu: „Historischer Gipfel“, schrieb die Zeitung in großen Buchstaben zu den Bildern vom Treffen. „Die Bundeskanzlerin von Deutschland, Angela Merkel, erklärte, dass Integration die deutsche Gesellschaft verändern wird. Gleichzeitig würden die Migranten die Gesellschaft bereichern.“ Auch am Sonntag machte die Türkiye das Thema zum Aufmacher der Titelseite. „Jetzt können wir mit der Arbeit beginnen“, zitierte die Zeitung in der Überschrift einige Migrantenvertreter. „Die deutsche Regierung ist an einem bedeutenden Wendepunkt angekommen“, hieß es in den Unterzeilen des Seitenaufmachers.

Der Grund,warum die Türkiye an diesem Tag das Thema noch einmal so groß brachte, war ein Gesprächsforum. Der verlagseigene Fernsehsender TGRT hatte diese Sendung in seinem Programm „TGRT-EU/Die Stimme Europas“ kurz nach dem Gipfel live ausgestrahlt. Daran nahm zum Beispiel der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, teil. Hier wertete er laut der Türkiye die Ergebnisse so, dass sich Deutschland nun als Einwanderungsland betrachte.

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