Überall gleichzeitig Baustellen : Pankow steht im Stau

An fünf Zufahrtsstraßen wird in Pankow gleichzeitig gebaut. Bezirksverordnete werfen dem Stadtrat Fehlplanung vor. Sie fordern "eine Sanierung mit Augenmaß statt mit der Brechstange".

Werner Kurzlechner
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Auf Pankows Straßen geht es seit Monaten chaotisch zu. Rund um den Ortskern stecken Autofahrer im Dauerstau fest, Busse und Straßenbahnen der BVG verspäten sich regelmäßig. Denn auf nahezu allen Zufahrtsstraßen wird derzeit gebaut. Berliner Straße, Wollankstraße, Pasewalker Straße, Blankenburger Straße und Friedrich-Engels-Straße werden saniert, erhalten neue Fahrbahnen, Geh- und Radwege.

Wegen der gleichzeitigen Arbeiten klagen auch die Gewerbetreibenden an der Berliner Straße. „Alle haben zu kämpfen“, sagt Stephanie Draack, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Alt-Pankow. Weil die Kunden keine Parkplätze fänden und auch den Fußweg an den Bauzäunen entlang mieden, hätten bereits eine Bäckerei und eine Zoohandlung aufgegeben. Imbissbetreiber hätten durch die Verlegung der Bus- und Tramhaltestellen Umsatzeinbußen, so Draack.

In der Caritas-Klinik Maria Heimsuchung an der Breite Straße klagen laut Verwaltungsdirektorin Heidelinde Elstner Patienten über lange Anfahrtszeiten. „Wir befürchten, dass sich im kommenden Jahr die Lage verschlechtert und uns weniger Rettungswagen anfahren“, sagt Elstner. Denn zusätzlich zu den weiterlaufenden Maßnahmen beginnt 2010 die Grundsanierung der Pankebrücke an der Schönholzer Straße, wegen der Erneuerung der U-Bahnlinie 2 zwischen Schönhauser Allee und Pankow fahren ab Mai voraussichtlich ein halbes Jahr lang Ersatzbusse auf den verstopften Straßen.

Als Schuldigen an der Lage haben vier Abgeordnete aus drei Parteien Pankows Verkehrsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) ausgemacht. „Für das Durcheinander ist Kirchner verantwortlich“, schreiben Torsten Hilse, Torsten Schneider (beide SPD), Peter Luther (CDU) und Rainer-Michael Lehmann (FDP) in einer gemeinsamen Erklärung. Der Stadtrat weist den Vorwurf zurück: „Das ist eine Frechheit.“

„Wir fordern eine Sanierung mit Augenmaß statt mit der Brechstange“, kritisieren die Abgeordneten. Lediglich die Bauarbeiten an der Wollankstraße seien aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung finanziert und hätten deshalb kurzfristig begonnen werden müssen. Die übrigen Gelder seien seit langem im Etat eingeplant, eine bessere Steuerung der Bauprojekte möglich gewesen. Wegen der im neuen Straßenausbaubeitragsgesetz vorgesehenen Bürgerbeteiligung habe sein Vorgänger Gottfried Federlein (CDU) die lange geplanten Vorhaben auf Eis gelegt, entgegnet Kirchner. Deshalb müsse er die dringenden Bauarbeiten nun zeitgleich durchführen lassen. „Die Straßen waren in einem derartig schrottigen Zustand, dass sie kaum noch befahrbar waren“, sagt Kirchner.

Auch die Forderung der Abgeordneten, die Bauprojekte durch Schichtarbeit zu beschleunigen, kontert der Stadtrat kühl: „Dann sollen die Herren dafür sorgen, dass mir die Stadtentwicklungssenatorin nicht regelmäßig die Schichtzulagen aus der Bauplanung streicht.“ Zuletzt habe Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) dies im Fall der Berliner Straße getan. Wie die Bauarbeiten erträglicher für die Betroffenen ablaufen könnten, werde er Anfang Januar mit allen Beteiligten erörtern, verspricht Kirchner.

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