Überfall auf Ermyas M. : Ermittlungen belasten beide Tatverdächtige

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft haben die Ermittlung zum Überfall auf den Deutsch-Äthiopier Ermyas M. in Potsdam den Tatverdacht gegen die beiden Festgenommenen erhärtet. Zweifel gibt es indes am Hintergrund der Tat.

Karlsruhe/Potsdam - Wie Generalbundesanwalt Kay Nehm am Sonntag mitteilte, sei der Beschuldigte Björn L. aus Wilhelmshorst nach dem Ergebnis der kriminaltechnischen Auswertung der Stimmaufzeichnungen "wahrscheinlich" einer der Sprecher des auf der Telefonmailbox aufgezeichneten Gesprächs. Der zweite Tatverdächtige Thomas M. aus Potsdam komme nach der ersten molekulargenetischen Untersuchung für das am Tatort gefundene DNS-Material "in Betracht".

Nehm betonte, ob Ermyas M. neben den schweren Kopfverletzungen weitere Verletzungen erlitten habe, sei "bislang nicht klar". Der kritische Zustand des Deutsch-Afrikaners erlaube es derzeit nicht, alle Verletzungen durch rechtsmedizinische Untersuchungen sicher feststellen zu lassen.

Nehm bekräftige, es sei richtig gewesen, das Verfahren an sich zu ziehen. Denn die Tat der beschuldigten Männer aus Brandenburg sei geeignet, die innere Sicherheit Deutschlands zu beeinträchtigen. Dies sei der Fall, wenn eine fremdenfeindliche Straftat Verfassungsgrundsätze untergraben könne. Ein weiteres Kriterium sei unter anderem, dass sich die Bevölkerung nicht mehr darauf verlassen könne, in Deutschland vor Gewalttaten geschützt zu sein.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hatte Nehm in einem Zeitungsbericht kritisiert. Nehm habe "aus der Sache ein Politikum gemacht und zu einer Stigmatisierung Brandenburgs beigetragen. Der politische Schaden, den er angerichtet hat, ist erheblich". Schönbohm betonte außerdem, die Hinweise der Bundesanwaltschaft auf einen möglichen rechtsextremen Hintergrund der Tat seien zumindest fragwürdig.

Gab es vor der Attacke Streit?

Bei den Ermittlungen zu dem Überfall tauchten zuletzt Zweifel auf, ob es sich wirklich um eine Tat allein aus Fremdenhass handelt. Es könnte eventuell auch ein brutal eskalierter Streit unter Betrunkenen gewesen sein, sagte ein Ermittler dem Tagesspiegel am Sonntag. Das Opfer soll zur Tatzeit einen Blutalkoholwert von etwa 2,0 Promille gehabt haben. Auch ist auf der Mailbox der von ihm kurz vor der Tat angerufenen Frau zu hören, wie er einen der Täter als "Schwein" beschimpfte. Der Generalbundesanwalt geht weiter von einer fremdenfeindlichen Tat aus. (Der Tagesspiegel berichtete.)

Der Zustand des Opfers hat sich inzwischen leicht gebessert. Mit Unterstützung einer Beamtungsmaschine könne der seit einer Woche im künstlichen Koma liegende Ermyas M. selbst erste Atemzüge machen, sagte eine Sprecherin des Ernst-von-Bergmann-Klinikums am Sonntag. Der zweifache Familienvater schwebt aber nach wie vor in Lebensgefahr. (tso/ddp/dpa)

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