Berlin : Überfordert

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Zum Thema der Einsparmöglichkeiten bei der Berliner Feuerwehr möchte ich Ihnen gerne mal mein Aufgabengebiet bei der Feuerwehr schildern.

Wenn ich auf dem Rettungswagen eingeteilt bin, muss ich mich um schwer verletzte Personen kümmern, bei einer Geburt soll ich erste Hilfe leisten können, eine Reanimation soll korrekt durchgeführt werden, der Defibrillator mss von mir beherrscht werden, und eine Meningitis bei Kindern soll ich auch erkennen können, um die richtigen Maßnahmen einzuleiten. Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Rettungsdienstprogramm.

Wenn ich dann am nächsten Tag auf der Drehleiter eines Feuerwehrfahrzeuges eingeteilt bin, soll ich  auch diese perfekt bedienen können, da sie ja zur Menschenrettung eingesetzt wird. Alleine dieses Fahrzeug  ist schon ein hoch kompliziertes Gerät, dessen Bedienung viel Übung  erfordert. Am nächsten Tag bin ich dann auf dem Löschfahrzeug tätig. Ich soll die richtigen Entscheidungen treffen bei Unfällen mit chemischen, radioaktiven oder sonstigen gefährlichen Stoffen. Bei Verkehrsunfällen, Bränden in Kellern, Dachböden oder Wohnungen und sonstigen technischen Hilfeleistungen darf kein Fehler passieren.  Auch diese Aufzählung zeigt nur einen kleinen Ausschnitt.

Dass man mit dem Atemschutzgerät hundertprozentig umgehen kann und körperlich fit sein muss, versteht sich von selbst. Nach dem Einsatz müssen die Fahrzeuge und Geräte wieder in Ordnung gebracht werden. Dann setzte ich mich an den PC und dokumentiere den Einsatz. Zusätzlich bin ich noch mitverantwortlich für Haus und  Hof unserer Feuerwache (Dach undicht, Wasserhahn tropft, Schnee fegen im Winter usw.). Letztendlich darf ich auch noch die Personalverwaltung am PC pflegen, damit die Kollegen am Monatsanfang ihr korrektes Gehalt bekommen.

Können Sie sich vorstellen, dass ich diese Arbeitsgebiete alle perfekt beherrsche?

Sollte dann doch mal ein Einsatz nicht so laufen wie es hätte sein können (Entscheidungen, die wir meistens in Sekunden treffen müssen) dann kommt irgendein Fachmann, analysiert den Einsatz stundenlang und wirft uns unsere Fehler vor.  Die Frage nach der Trennung von Rettungsdienst und technischer Hilfeleistung ergibt sich hieraus von selbst. Noch eine Anmerkung zu den privaten Rettungsdienstunternehmen. Wenn sie die Rettung in der Stadt übernehmen wollen, dürfen sie sich natürlich nicht nur die „Rosinen“ herauspicken (also zu Zeiten, in denen es sich lohnt), sondern auch nachts, sonntags und an Tagen, an denen weniger zu verdienen ist.    Helmut Berger, 13465 Berlin

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