Berlin : Umsonst kam keiner ins Museum

Friedlicher Protest: Einige 100 Personen demonstrierten gegen die MoMA-Preise und die BVG-Tarife

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So leer wie gestern am Nachmittag dürfte es in der MoMAAusstellung noch nie nicht gewesen sein. Die angekündigte Demonstration der Kampagne „Berlin Umsonst“ hatte offenbar viele vom Besuch der Neuen Nationalgalerie abgehalten. Mittags, als ein Dutzend Polizisten davor Posten standen, warteten etwa halb so viele Besucher wie üblich auf Einlass. Gegen 16 Uhr, als sich etwa 200 Autonome und Anhänger der Kampagne „Berlin Umsonst“ vor dem Gebäude sammelten, kamen noch weniger Kunstinteressierte.

Als einige Aktivisten der Kampagne versuchten, mit erkennbar nachgemachten Eintrittskarten in die New Yorker Bilderschau zu gelangen, sperrte die Polizei den Vorplatz mit Dutzenden Beamten ab. Ein weiterer Umsonst-Aktivist versuchte daraufhin, die Nationalgalerie zu betreten und wurde vorübergehend festgenommen. Einem Polizeisprecher zufolge war ihm zuvor schon ein Platzverweis erteilt worden. Die Demonstranten skandierten daraufhin „Berlin umsonst“-Rufe. Zu dieser Zeit kamen Kunstfreunde nicht mehr zum Eingang durch.

Allzu lange blieb die Atmosphäre nicht gespannt. Die Polizei nahm zwar einem Sprecher zufolge über 20 Personen vorübergehend fest, doch ging es dabei nur um die Feststellung von Personalien. Keiner wurde in Gewahrsam genommen. Nach anderthalb Stunden forderte ein Redner der Kampagne per Megafon, dass Kunst „nicht nur den Besserverdienenden“ offen stehen solle, und wies auch darauf hin, dass bei der Demonstration weder Scheiben noch Bilder zu Bruch gegangen seien. Dann zogen die Demonstranten die Potsdamer Straße hinunter zur Hauptverwaltung der BVG am Kleistpark, um sich dort mit einem Protestzug gegen die BVG-Tarife zu verbinden. Diese Demonstranten, ein Zug von etwa 450 Personen, waren zuvor friedlich vom Breitscheidplatz zum Kleistpark gezogen. Die Polizei hatte einer Vereinigung der beiden Züge und einer spontanen gemeinsamen Abschlusskundgebung vor dem BVG-Gebäude zugestimmt, da sich eine Versammlungsleiterin gemeldet hatte.

Ebenfalls am gestrigen Nachmittag hatten sich rund 100 Kurden vor dem Roten Rathaus versammelt. Der Verein „Mala Kurda“ hatte dazu aufgerufen, um „gegen die Aufnahme der Kongra Gel in die Terrorliste“ zu protestieren. Die „Kongra Gel“ ist nach Angaben der Polizei die Nachfolgeorganisation der verbotenen PKK. Sie sei von den EU-Länder als terroristisch eingestuft worden. „Dagegen wehren wir uns“, sagt Ismail Parmaksiz, Sprecher der Veranstalter. „Die Kongra Gel ist der Volkskongress, der für Freiheit und Demokratie steht.“ Einzelne Personen wurden von der Polizei überprüft. wvb./tabu

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