Berlin : Unerwachsen

Nobert Tefelski

Dem Theater Thomas Rohloff ist alles Thomas Rohloff: Weichei-Papi goes Teletubbie, macht Kuschelkuschel mit der Thomas-Rohloff-Babypuppe. Später, den mittlerweile schulpflichtigen Kunststoff-Thomas auf dem Schoß, spricht Rohloff in ganzen Sätzen, bleibt aber inhaltlich beim Kuschelkuschel. Erinnert sich seiner spannenden Spandauer Kindheit zwischen Lottis Lebensmittelladen und rohen Schulkameraden. Als Pappkameraden, so genannte Flachfiguren, illustrieren sie das Trauerspiel ums jammervolle, ausgegrenzte Sensibelchen, dargestellt von der multifunktionalen Knaben-Figur: Thomas Rohloffs hüfthohes Alter ego wird von Hand geführt, der Kopf mittels Funksignalen animiert. Das ist sehenswert, dito die geschickte Projektion, mit der Thomas Rohloff eine Kleistbüste zu redseligem Leben erweckt. Solch technische Raffinessen, unter anderem auch ein professionelles Puppentrickfilmchen, lenken kurz nur vom Wesentlichen ab. Ist der Überraschungseffekt vorbei, darf man sich wieder voll und ganz auf des Meister s bedeutende Tagebuchprosa konzentrieren. Er führt seine alten Lieblingsmarionetten vor, träumt vom Fliegen und - Wahnsinn! - von einem Bootshaus an der Havel. Welch ein Filou, dieser Thomas Rohloff. Und was er nicht alles für sich tut. Nicht Kosten noch Mühen scheuend, baute er, mit Hilfe willfähriger Freunde, eine Bäckerei zum Spielort Cityback um. Das wirklich gemütliche Plätzchen, mit Barbetrieb und Sternenhimmel, bietet Rohloffianern Doping für die Seele, schon bevor das so untertitelte, aufwendig inszenierte Selbstgespräch beginnt - nach gewiss tiefer Versenkung Herzschlag genannt (bis 19.12., Do-So 20 Uhr). Um sicherzustellen, dass tatsächlich kein Rhythmus dagegen pocht, sollte Thomas Rohloff alle Plätze mit Thomas-Rohloff-Klonen besetzen. Nicht zu vergessen den Thomas-Rohloff-Reporter im Auftrag des Thomas-Rohloff-Periodikums Meine Geschichte.

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