Unfallschwerpunkt in Gesundbrunnen : Berlins schlimmste Kreuzung

An der Osloer Straße Ecke Prinzenallee wurden 2015 so viele Menschen verletzt wie nirgends sonst. Gründe: eine Baustelle und die Ignoranz vieler Autofahrer.

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An der Straßenbahntrasse in der Osloer Straße gab es anfangs viele schwere Unfälle. Bei dem Negativ-Rekord 2015 spielte die Tram allerdings keine nennenswerte Rolle.
An der Straßenbahntrasse in der Osloer Straße gab es anfangs viele schwere Unfälle. Bei dem Negativ-Rekord 2015 spielte die Tram...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

In der Unfallbilanz der Polizei fürs vergangene Jahr sticht eine Kreuzung ganz besonders hervor: In Gesundbrunnen, wo die Prinzenallee die Osloer Straße kreuzt, wurden 52 Verkehrsteilnehmer verletzt, vier davon schwer. So viele Personenschäden an einer einzigen Kreuzung gab es in Berlin seit vielen Jahren nicht. Auffällig ist auch, dass die Ecke in den Vorjahren nicht einmal in der Top-Ten-Liste der Orte mit den meisten Personenschäden aufgetaucht war. Was war da los?

Nach Auskunft der Polizei hat es an der Kreuzung 2015 insgesamt 93 Mal gekracht. Bei 33 dieser Unfälle wurde jemand verletzt. Ganz klar dominierten Unfälle zwischen Autos, denn an den Unfällen waren 143 Pkw beteiligt. Die Zahlen für Lastwagen, Radfahrer, Motorräder und Straßenbahn sind jeweils einstellig. Bei den Ursachen führt ungenügender Sicherheitsabstand vor Fehlern beim Linksabbiegen, Missachtung der vorgeschriebenen Fahrtrichtung, Spurwechselfehlern und Missachtung „der Verkehrsregelung durch Polizeibeamte oder Lichtzeichen“.

Massenhaft Blechschäden an zwei Kreisverkehren

Von August bis November 2015 wurde auf der Kreuzung an mehreren Stellen gebaut – inklusive veränderter Verkehrsführungen, verengter Spuren und Abbiegeverbote, die die Autofahrer offenbar überforderten oder gleich ignoriert wurden. Um etwas mehr Übersicht entlang der Baustelle zu schaffen, habe die Verkehrslenkung Details verändert. Auch die Polizei hat reagiert und an der Kreuzung regelmäßig kontrolliert. Dabei seien 921 Verfahren wegen Regelverstößen eingeleitet worden.

In diesem Jahr dürfte die Kreuzung ihren Spitzenplatz wieder abgeben. Dass auch langjährige Unfallschwerpunkte zu entschärfen sind, beweist der Fall der Kreuzung von Bornholmer und Wisbyer Straße mit der Schönhauser Allee. Während dieser Knoten im Jahr 2013 noch die Liste der gefährlichsten Ecken anführte, tauchte er danach nicht mehr in den Top Ten auf. In denen stechen seit Langem auch zwei Kreisverkehre hervor, nämlich Großer Stern und Ernst-Reuter-Platz. Letzterer war 2015 auch der Ort mit den meisten registrierten Unfällen überhaupt, also inklusive bloßer Sachschäden: 444 Mal krachte es dort, in 25 Fällen mit Personenschäden. Dabei wurden 28 Menschen leicht und drei schwer verletzt. Insgesamt wurde die Polizei in Berlin zu fast 138 000 Unfällen gerufen – die höchste Zahl seit mehr als zehn Jahren. Fast 18 000 Menschen wurden verletzt, 48 starben.

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