Berlin : Unflätiger Umgang

Das „Lehrerhasserbuch“ erregt Widerspruch. Ganz falsch ist die Kritik aber nicht, finden Eltern

Susanne Vieth-Entus

Berlins oberste Eltern- und Lehrerrepräsentanten lassen sich von dem „Lehrerhasserbuch“ der Berliner Publizistin Gerlinde Unverzagt nicht gegeneinander aufbringen. „Es gibt keinen Krieg zwischen Eltern und Lehrern“, stellte Landeselternsprecher André Schindler gestern klar. Wie berichtet, greift die vierfache Mutter Gerlinde Unverzagt in ihrer Polemik die Lehrerschaft als inkompetent und feindselig gegenüber Eltern und Schülern an.

Auch Landeslehrersprecherin Brigitte Wilhelm spricht von einer „intensiven Kooperation auf einer guten Gesprächs- und nicht auf einer Hass-Ebene“. Wilhelm ist seit 30 Jahren Oberschullehrerin. Elternsprecher Schindler gibt Unverzagt aber zumindest teilweise Recht: „Es gibt Lehrer, die sehr unflätig mit den Schülern umgehen.“ Auf rund 20 Prozent schätzt er den Anteil der Lehrer, der schlecht arbeitet. Aber es gebe eben auch „30 Prozent Eltern, die sich nicht kümmern“. Schindler bedauert, dass sich immer alle Lehrer angesprochen fühlten, wenn einer kritisiert werde: „Dann rotten sie sich zusammen.“

Schindler selbst hat in seiner langjährigen Funktion als Elternvertreter immer wieder die Lehrerschaft gegen sich aufgebracht. Auch jüngst wieder mit einem Beschluss des Landeselternausschusses: Als „bildungspolitisches Ziel“ ist da angegeben, dass die Lehrer einer „Professionalisierung“ bedürfen. Außerdem sollten sie ein „Grundgehalt“ erhalten, das um leistungsabhängige Zahlungen ergänzt werden würde. Auch zu festen Anwesenheitszeiten an den Schulen würde der Landeselternausschuss die Lehrer gerne verpflichten.

„Es gibt sicher Meckereltern, die Themen aus Stammtischgesprächen in die Schulen tragen“, sagt Lehrer-Vertreterin Brigitte Wilhelm. Sie seien aber nicht in der Mehrheit. Vielmehr drehten sich Gespräche mit den Eltern in der Regel um deren Fragen etwa zum neuen Mittleren Schulabschluss. Natürlich gebe es bei den Lehrern „wie in jedem Beruf schwarze Schafe“. Aber auch solche Problemfälle würden künftig nicht mehr einfach erduldet, weil es nun externe und interne Evaluationen gebe: Jeder Lehrer werde früher oder später im Unterricht besucht. Früher sei es aber vorgekommen, dass jahrzehntelang kein Schulrat vorbeikam.

Das Buch von Gerlinde Unverzagt sei „berechtigt“, meint Reinhold Tyrach, Lehrer am Steglitzer Paulsen-Gymnasium und Mitinitiator des Verbands der Korrekturfachlehrer. Die Autorin habe das gute Recht, polemisch an das Thema heranzugehen. Und auch inhaltlich kann Tyrach zum Teil mitgehen: So wie sich in dem Buch ein Oberschullehrer über die schlechten Rechtschreibkenntnisse der Kinder aufregt, so ärgere auch er sich über das miserable Englisch der Grundschulkinder.

„Es ist ein sensibles Thema“, gibt Lehrersprecherin Wilhelm zu. Eins aber steht für sie fest: „Lehrer zu sein ist ein wunderschöner Beruf!“

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