Berlin : Uni Potsdam meldet neuen Bewerberrekord

Rund 52 000 Abiturienten wollen in der Landeshauptstadt studieren. Extreme Steigerungen auch bei berlinfernen Hochschulen

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Potsdam/Berlin - Die Hauptstadt-Region lockt immer mehr Studierende aus der ganzen Bundesrepublik an. Nach Berlin melden nun auch die Hochschulen Brandenburgs einen neuen Bewerberrekord. Für die neun Universitäten und Fachhochschulen der Mark gibt es für das Wintersemester 2011/2012 bereits 80 000 Bewerbungen, 30 000 mehr als im Vorjahr, bestätigte Wissenschaftsstaatsekretär Martin Gorholt (SPD) am Freitag. Mit Abstand am beliebtesten die Potsdamer Universität, wohl auch wegen der Nähe zu Berlin, an der sich 51 890 Abiturienten beworben haben – gegenüber 29 000 Bewerbern im Vorjahr. Zum Vergleich: Jährlich beginnen in Brandenburg rund 10 000 junge Leute ein Studium, erfahrungsgemäß kommt bislang etwa ein Drittel aus Berlin. Im Jahr 2010 waren es 30 Prozent der Neulinge, was fast dem Anteil der „Landeskinder“ von 32 Prozent entsprach. Elf Prozent kamen bislang aus den alten Ländern. Zur Herkunft der aktuellen Bewerber gibt es zwar bislang noch keine Daten.

Doch Gründe sind nach Einschätzung des Ministeriums die „ausgesetzte Wehrpflicht“, doppelte Abiturjahrgänge in Niedersachsen und Bayern infolge der Einführung des Abiturs nach 12 Jahren. Zugleich zeigten die Zahlen bereits, sagte Gorholt, dass „Brandenburgs Hochschulen ungebrochen attraktiv sind“. Insgesamt studieren an den märkischen Hochschulen, die nach 1990 im strukturschwachen Land ohne große akademische Traditionen faktisch neu errichtet worden waren, derzeit 50 000 Studenten. Diese bisherige Höchstmarke war erstmals im vorigen Jahr durchbrochen worden.

Zwar hält sich das Wissenschaftsministerium mit einer abschließenden Bewertung noch zurück, da die Zahlen „vorläufig“ sind, die Bewerbungsfrist für nicht zulassungsbeschränkte Fächer noch bis Ende September läuft. Zudem sind Mehrfachbewerbungen „durchaus üblich“, sagte Gorholt. Doch die grundsätzliche Tendenz, die sich mit dem parallelen Ansturm auf die Berliner Universitäten und Hochschulen deckt, sei „eindeutig.“ Selbst berlinferne Einrichtungen in Brandenburg melden extrem deutliche Steigerungen, die BTU Cottbus etwa mit 5833 Bewerbungen (Vorjahr: 3766), die Viadrina in Frankfurt (Oder) mit 6000 (Vorjahr: 4643) oder die Fachhochschule in Brandenburg an der Havel. Dort gingen 1933 Anträge ein, drei Mal so viel wie 2010, wo es 669 waren.

Welche Konsequenzen der Ansturm haben wird, wie die Hochschulen damit umgehen, ist noch unklar. Die Sorge wächst, dass in nicht zulassungsbeschränkten Fächern überfüllte Hörsäle die Folge sein werden. Und auf der anderen Seite mussten die Hochschulen, die Brandenburg jährlich mit 250 Millionen Euro fördern, gerade eine Kürzung von 12 Millionen Euro im Etat für 2012 verkraften. Da dies nach den Sparbeschlüssen der Landesregierung, ab 2014 ohne neue Schulden auszukommen, nicht das Ende ist, sollen zwei Hochschulstrukturen im Auftrag von von Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) bis 2012 Empfehlungen zur Modernisierung der Hochschulstruktur entwickeln. Es geht um Fusionen, aber auch um die Reduzierung von Doppelangeboten. Angesichts des neuen Ansturms versichert Gorholt mit Blick auf Sparzwänge, dass sich „ein Rasenmäher-Prinzip ausschließt“.

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