Berlin : Union-Kino: Wolfgang Lippert hat das Filmtheater verkauft

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Die Chancen für eine Wiedereröffnung des Kinos "Union" stehen schlecht. Der Eigentümer, Entertainer Wolfgang Lippert, hat jetzt überraschend das Gebäude an der Friedrichshagener Bölschestraße für 800 000 Mark an die "Zahn Projektentwicklung - Schlüsselfertiges Bauen GmbH" verkauft. "Was wir damit machen, ist noch unklar", äußerte sich gestern der Firmenchef Klaus Zahn in Berlin zurückhaltend. Doch ein Kino will er an diesem Standort auf keinen Fall betreiben, so viel steht fest. Weil sich das nicht rechne, begründet er. Stattdessen plant er den Abriss des "maroden Baus". Außerdem hofft der Unternehmer auf Zuschüsse vom Land Berlin. Weiter möchte er sich derzeit allerdings nicht zu diesem Thema äußern.

Zahn wird es wahrscheinlich schwer haben, seine Ideen zu verwirklichen. Zwar steht das 1923 eröffnete und seit zwei Jahren geschlossene Filmtheater nicht unter Denkmalschutz und könnte theoretisch abgerissen werden, wie Hans Grassow von der Köpenicker Bauabteilung bestätigt. Ob der Bezirk zustimmt, bleibt abzuwarten. "Wir müssten das gründlich prüfen", sagt Grassow. "Eines sollte dem neuen Eigentümer allerdings klar sein: Die Fördergelder fließen nur, wenn das Gebäude stehen bleibt", erklärt Kulturstadtrat Dirk Retzlaff (PDS). Für einen Neubau würde es keine Zuschüsse geben. Dagmar Buchholz von der Senatsbauverwaltung betont, dass die Erhaltung der gesamten Bölschestraße, in deren Sanierung in den vergangenen Jahren Millionen geflossen sind, oberste Priorität habe.

Retzlaff und auch der Friedrichshagener Bürgerverein "Kino Union bleibt" fühlen sich von Lippert verschaukelt. Noch vor wenigen Wochen habe er mit dem Entertainer und dem Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) über die Zukunft des Filmtheaters verhandelt, berichtet der Kulturstadtrat. "Inzwischen liegt mir sogar die Förderzusage der Senatsbauverwaltung für den Umbau des Gebäudes zum Filmtheater mit drei Sälen vor", sagt Retzlaff. Offensichtlich sei Lippert nie wirklich an der Erhaltung des Kinos interessiert gewesen, ärgert sich Michael Schölzel vom Bürgerverein. "Dabei haben wir ihn wirklich mit allen Mitteln unterstützt", betont der Friedrichshagener. Für Kulturstadtrat Retzlaff ist der Kampf um ein Friedrichshagener Kiez-Kino noch nicht verloren. So hat sich das Bezirksamt in seiner Sitzung am Montag noch einmal ausdrücklich "für den Kino-Standort Bölschestraße" ausgesprochen. Außerdem gilt nach wie vor die Vertragsklausel, die Lippert, als er vor sechs Jahren von der Treuhandliegenschaftsgesellschaft das Filmtheater kaufte, vereinbarte: Er verpflichtete sich, im "Union" zehn Jahre lang ein Kino zu betreiben. Der neue Eigentümer Zahn kann übrigens wieder von seinem Geschäft zurücktreten, wenn der Senat Lippert nicht aus seiner Verpflichtung entlässt. "Das haben wir so vereinbart", sagte Zahn. Wie es gestern aus der Senatskulturverwaltung hieß, könnte jetzt tatsächlich diese verbindliche Klausel entfallen. "Wir machen unser Votum allerdings von der Stellungnahme des Bezirks abhängig", so Susanna Meienreis, persönliche Referentin des Kultursenators.

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