Berlin : Unter Schwestern

Franziskanerinnen besuchen Nonnenmusical – und spielen nach der Aufführung selbst Theater

Frauke Herweg

Sie hat den neuen Sommeranzug angezogen, die Haare frisch frisiert, die Lippen kräftig nachgezogen. Umsonst. Vier Damen, die schlichtes Grau tragen, stehlen der Mittfünfzigerin, die am Dienstag in der „Tribüne“ das Nonnenmusical „Non(n)sense besucht, die Show. Nonnen, die in Reihe sieben sitzen, ziehen alle Blicke auf sich. „Sind die echt?“ scheinen sich Besucher zu fragen. Sie sind es.

Drei Schwestern des Berliner Franziskanerordens führen am Dienstag ihren Besuch aus Münster aus. Schwester Juvenalis, Schwester Bernhildis, Schwester Hannelore und Schwester Vincentia. Sie amüsieren sich, die 65-jährige Juvenalis lacht am lautesten. Auf der Bühne müssen die Nonnen eines Marienfelder Missionsordens tote Kolleginnen in der Tiefkühltruhe lagern, weil ihnen das Geld für die Beerdigung ausgegangen ist. „Vier Schwestern mit Gefrierbrand“, singen die Schauspielerinnen. Schwester Juvenalis schlägt sich lachend die Hand vor den Mund.

In der Pause plaudern die vier bei einem Weißwein. Auch der Franziskanerorden, der in der Pankower Wollankstraße eine Suppenküche betreibt, sich in der Obdachlosenarbeit und in der Aidshilfe engagiert, kämpft mit Geldnöten. Die Schlange vor der Suppenküche wird länger, aber die Spenden nicht mehr. Die Franziskanerinnen sind angenehm überrascht, dass „Non(n)sense“-Autor Dan Goggin nicht die üblichen Witze reißt. Sicherlich, sagt Schwester Hannelore, das Spiel mit den Klischees, der Tabubruch seien reizvoll. „Für mich jedoch ist wichtig, dass dieser Witz nicht beleidigend ist. Glücklicherweise ist er das nicht.“ Vor 15 Jahren legte die gelernte Krankenschwester erstmals ihre Ordenskleidung an. Anders als im Stück, in dem die Schwestern singen, sie hätten schon als kleines Mädchen Nonnen werden wollen, hat die heute 43-Jährige einen schweren Kampf durchgefochten, bis sie sich für den Orden entschied. Vier Jahre grübeln, dann war sie sich sicher.

Nach der Aufführung treffen die Schwestern die Musical-Sängerinnen auf der Bühne. Echte und vermeintliche Nonnen kommen sofort ins Gespräch. Schwester Juvenalis entdeckt plötzlich die „Schweinepuppe“. Auf der Bühne war die Stoffnonne mit dem Miss-Piggy-Gesicht für einige derbe Rüpeleien zuständig. Schwester Juvenalis langt begeistert nach der Puppe und imitiert mit rauem Ton deren Stimme. „Du sollst die Klappe halten“, röhrt sie in den Saal. Schwester Hannelore lacht. „Juvi, lass es“, sagt sie grinsend.

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