Berlin : Untergang im Bombenkrieg – Neuaufbau nach 60 Jahren

Am Tiergarten wird das Köbis-Dreieck wiederbelebt. Eine der letzten großen Brachen in der Innenstadt verschwindet

Matthias Oloew

Mit dem Baubeginn am Köbis-Dreieck verschwindet eine der letzten Brachflächen aus der Innenstadt, die der Krieg hinterlassen hat. 190 Millionen Euro will das Konsortium aus dem Hochtief-Konzern, der Groth-Gruppe und der bayerischen Investa- Projektgesellschaft in zwölf Häuser stecken, die auf dem 2,3 Hektar großen Gelände am südlichen Tiergartenrand entstehen. Zuerst werden die beiden Blöcke für die Deutschland-Zentrale der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG nach den Plänen des britischen Architekturbüros Grimshaw und Partner gebaut. Bis 2006 sollen auch die anderen Häuser fertig sein.

Das Areal zwischen Klingelhöfer- und Köbisstraße sowie der Von-der-Heydt-Straße blieb fast 60 Jahre unbebaut. Bäume wuchsen auf dem einst dicht bebauten Areal. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es eines der am schwersten beschädigten Viertel Berlins. Ein Wiederaufbau erfolgte nicht, zunächst, weil der Tiergarten erweitert werden sollte, danach, um im Falle einer Wiedervereinigung Platz für Regierung und Botschaften zu haben. In den 80er Jahren gab es im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Ideen für den Neubau des Landesarbeitsamtes. Die Pläne wurden vor zehn Jahren schließlich fallen gelassen.

„Ich bin sehr froh über das Projekt“, sagte Bausenator Peter Strieder (SPD) beim Spatenstich am Freitag. „Wir stellen so auf einem ganz wichtigen Gebiet für die Entwicklung der Stadt den Stadtgrundriss von früher wieder her.“ Und das ganz nach Strieders Wünschen „keine historische Kopie, sondern eine Rekonstruktion mit moderner Architektur“. Den Plänen für das Arbeitsamt weint er nicht nach („Das war nichts, was mit diesem Gebiet zu tun hatte“), und den vielen Bäumen, die binnen weniger Tage gefällt worden sind, auch nicht.

Die Brachflächen in der City werden somit weniger. Noch ungeklärt ist zum Beispiel, was mit dem riesigen Gelände am Nordbahnhof passieren soll. Für die ehemaligen Wertheim-Grundstücke am Leipziger Platz gibt es Pläne, aber auch konkurrierende Eigentumsansprüche, so dass derzeit nichts passiert. Am Gleisdreieck ist ein großer Park und ein Anbau für das Technikmuseum vorgesehen, und auf dem Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend will der Bundesnachrichtendienst bauen.

Das Köbis-Dreieck kaufte der Berliner Immobilienentwickler Klaus Groth vor einem Jahr, schloss sich mit seinen Partnern zusammen und lud zehn Architekturbüros zu einem Wettbewerb ein. Parallel dazu schaffte der Bezirk Mitte schnell Baurecht. Dazu gab es Lob von Klaus Laminet von der Investa: „In München schaffen wir so etwas nur, wenn ein Stadion gebaut werden soll“, sagte er in Anspielung auf den Bau der Fußball-Arena.

Neben der KPMG gibt es allerdings noch kaum Mieter für die Büros. Klaus Groth möchte noch nicht untergebrachte Staaten mit ihren Botschaften einziehen lassen. Beim gegenüberliegenden Klingelhöfer-Dreieck ist es ihm gelungen, nicht nur die CDU, sondern auch die Botschaften Bahreins, Mexikos, Luxemburgs, Maltas und Malaysias als Mieter oder Eigentümer zu gewinnen.

Gleichermaßen zuversichtlich ist er, was die Vermarktung der Wohnungen an der Köbisstraße angeht. „Hofjäger Palais“ nennt das Konsortium die Blöcke, die an der künftig verkehrsberuhigten Köbisstraße liegen sollen. 100 Wohnungen sind geplant, 19 davon bereits verkauft.

Auf einen schnellen Baubeginn hatte vor allem die KPMG gedrängt. Ihr Bau mit viel Glas soll mit der CDU-Zentrale korrespondieren. Von dem Architekten Grimshaw stammt in Berlin zum Beispiel das Ludwig-Erhard-Haus der IHK an der Fasanenstraße.

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