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Thorsten Metzner verrät, wie der Sommer märkische Wilde zähmt

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Das Sommerloch grüßt, Wildschweine versetzen den Brandenburger Landtag weiter in Schrecken. Das Rudel fühlt sich innerhalb der Bannmeile sauwohl, wie aus einer „Hausmitteilung“ der Parlamentsverwaltung hervorgeht. Das Areal auf dem Brauhausberg, das durch den Umzug ins Stadtschloss bald frei wird, eignet sich danach ideal als Gehege. Denn „nach Besichtigung durch den zuständigen Jagdpächter haben die Tiere genügend Auslauf und sind nicht gefährlich, solange sie nicht gereizt und keine Jungtiere von der Gruppe getrennt werden“. Freilich, wie im Zoo wird „um die Einhaltung eines allgemeinen Fütterungsverbotes gebeten“. Die „Hausmeister wurden angewiesen, ... Futterstellen zu entfernen.“ Als heimliche Fütterer waren die Grünen, typisch, in Verdacht geraten. Trotzdem versucht man alles, die Wildschweine vom hohen Haus fernzuhalten. Das Jagdverbot gilt nämlich, so die Mitteilung, „nur für weibliche Tiere“, nicht für den Keiler. Es werden außerdem abschreckende Stink-Stoffe ausgelegt. Tja, und dann wird „in diesem Zusammenhang“ auf „die Einhaltung der geltenden Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 km/h hingewiesen“. Mancher Abgeordnete rätselt, ob dies als Jagderlaubnis zu verstehen ist.

Brandenburgs Verfassungsschutz hat ein waches Auge auf Rechtsextreme. So notierte die Behörde auf ihrer Homepage, dass die WM-Erfolge der deutschen Mannschaft, die mit „herrlichem Spiel“ Engländer und Argentinier „vom Platz fegte“, bei manchen das „rassistische Weltbild ins Wanken“ geraten lassen. „So einer ist der brandenburgische NPD-Landesvorsitzende und NPD-Bundesgeschäftsführer Klaus Beier.“ Der hatte zusammen mit NPD-Bundesschef Udo Vogt einst eine Bewährungsstrafe kassiert, weil in einem WM-Planer der NPD der damalige Nationalspieler Patrick Owomoyela diskriminiert wurde. Beier sei auch verantwortlich für ein Pamphlet, nach dem ein Mensch anderer Herkunft „nie Deutscher werden“ könne, da der Pass ja nicht die „biologischen Erbanlagen“ verändere. Und den in Gelsenkirchen geborenen Mesut Özil hatte er abfällig als „Plastedeutschen“ bezeichnet. Jetzt aber sei Beier von einem Fernsehsender gefragt worden, ob er sich über ein Tor von Özil freue. Und siehe da, Herr Beier freue sich dann, „wenn Deutschland gewinnt“. Das Fazit des Verfassungsschutzes: „Na also, es geht doch.“

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