Berlin : Väter? Nein: Herren!

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VON TAG ZU TAG

Von David Ensikat

Familie ist, wo Kinder sind, hat Franz Müntefering gesagt. In Anbetracht des urkomisch heiteren, superfröhlich humorigen Treibens, das uns am Himmelfahrtstag bevorsteht, möchten wir hinzufügen: Vatertag ist, wo trunkene Herren mit putzigen Mützen auf dem Kopf und lustigen Klingeln am Spazierstock sind. Ob diese Herren je ein Kind gezeugt haben, ob sie, so dies der Fall sein sollte, treu für dieses sorgen und sich z.B. am Himmelfahrtstag ihrer Vorbildrolle bewusst sind, spielt keine Rolle. Wir ziehen die Brauen hoch, heben den Finger in die Höhe und nennen alldies: die normative Belanglosigkeit des Faktischen. Der Vatertag bleibt Vatertag, welcher Mann auch immer welchen weshalb feiern mag.

Überlegen wir doch mal: Wem huldigen die Herren mit den Hüten und den Stöcken? Stoßen sie an auf den himmelwärts Gefahrenen? Geht es um die Vaterschaft oder ums schiere Vermögen, selbige zu erlangen? Quatsch. Religiös oder nicht, potent oder impotent – alles egal, es geht ums Mannsein, ums Herrentum (womöglich wollen die Väter unter den Feiernden ihrer Vaterschaft für einen Augenblick entrauschen). In der DDR hat man das ganz realistisch gesehen und nicht Vater- sondern Herrentag gesagt. Es war ja nicht alles . . . Tschuldigung. Aber was können denn die Besinnungslosen nach dem Tiefschluck aus der Bierbüchse noch sagen? Genau: „Boah ej, herrrrlich.“

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