Vattenfall : Stromnetz erhält engere Maschen

Vattenfall will die Dauer von Stromausfällen verringern. Doch das neue System muss sich erst noch beweisen.

Stefan Jacobs

Meist ist es ein Bagger, mal auch das Lebens(wurzel)werk eines Baumes und manchmal schlicht der Zahn der Zeit, der ein Kabel im Boden durchgenagt hat. Nur das Resultat ist immer gleich: Stromausfall. Knapp 2000 Mal jährlich ist nach Auskunft von Vattenfall irgendwo der Saft weg. Statistisch trifft es jeden Berliner etwa 15 Minuten pro Jahr. Praktisch ist es eher ein Stromausfall alle fünf Jahre, der dann aber eine reichliche Stunde dauert. Mit Letzterem will sich die Vattenfall- Netzgesellschaft nicht zufriedengeben.

Was im Fachjargon „Automatisierung des Mittelspannungsnetzes“ heißt, bedeutet im wahren Leben: Wenn der Bagger mal wieder eine Leitung gekappt hat, werden die betroffenen Abnehmer von der Zentrale aus über eine Ersatzleitung mit Strom versorgt. Wenn also der Störungsdienst – nach durchschnittlich 29 Minuten – an der Unfallstelle eintrifft und die Reparatur in Angriff nimmt, sollen die Nachbarn längst wieder Strom haben. Ausgehend von der City arbeitet sich Vattenfall schrittweise in die Außenbezirke vor. Nach Auskunft von Erik Landeck, Geschäftsführer der Netzgesellschaft, ist etwa die Hälfte des fraglichen Netzes entsprechend aufgerüstet worden. Bis 2014 soll die ganze Stadt geschafft sein. Die Aufrüstung macht einen beträchtlichen Teil der knapp 250 Millionen Euro aus, die die Netzgesellschaft jährlich in Berlin investiert.

Stromausfälle sind für Privatleute meist ärgerlich, aber für Unternehmen oft dramatisch. „Es gibt Firmen, die ihre Ansiedlung ganz gezielt nach der Versorgungssicherheit richten“, sagt Landeck. Beispielhaft nennt er die Erweiterung des Daimler-Motorenwerks in Marienfelde und das Unternehmen E-Shelter, das in Spandau ein Rechenzentrum betreibt.

Da man Stromausfälle besser nicht provoziert, muss die Funktion des neuen Systems anhand „echter“ Havarien getestet werden. Im vergangenen August und September beispielsweise sei in Charlottenburg der Strom weg gewesen – und zwar einmal vier und einmal 14 Minuten lang. Die ferngesteuerte Ersatzleitung hat also funktioniert. 

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