Berlin : Veranstaltungen: PRO von Matthias Oloew

Einmal angenommen, angesichts der verheerenden Bilder aus New York ist der Kopf schon wieder frei, um entspannt zu feiern, ins Theater zu gehen oder sich auf ein Fußballspiel zu konzentrieren: Alle diese Veranstaltungen wirken derzeit deplatziert, weil alles vor dem Hintergrund der Ereignisse als nichtig erscheint. Und deswegen ist es gut, innezuhalten und Veranstaltungen abzusagen, wenigstens so lange, bis die Lage nach den Anschlägen wieder unter Kontrolle ist und wir wissen, wie viele Menschen tatsächlich sterben mussten und welche Konsequenzen sich für den Alltag ergeben, in Amerika gleichermaßen wie bei uns.

Sicher ist es nicht von der Hand zu weisen, dass unser Verzicht auf Partys für die Menschen in New York keinen praktischen Nutzen hat. Auf der anderen Seite wirkt es unangebracht, eine Theaterpremiere zu feiern, Musicals mit schmachtenden Charakteren anzuschauen oder steppende Girlreihen im Revuetheater zu beklatschen. Besondere Ereignisse zwingen zu besonderen Maßnahmen, und der Verzicht auf unterhaltende Veranstaltungen macht deutlich: Wir sind schockiert, wir trauern, wir nehmen Anteil an dem Trauma in Amerika.

Das Argument, man dürfe sich durch den Terror nicht aus dem Alltag reißen lassen, dies sei ja schließlich die Absicht der Terroristen gewesen, dieses Argument sticht angesichts der verheerenden Zerstörungen nicht. Wenn Passagiermaschinen, gesteuert von Kamikaze-Piloten, zu fliegenden Bomben werden, wenn Hochhäuser in Sekundenschnelle zusammenstürzen, dann ist ein Bedrohungspotenzial erreicht, das jeden von uns überall und jederzeit treffen kann. Das verpflichtet uns, auf ein paar Lustbarkeiten zu verzichten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben