Verbalattacke : Sarrazin lästert über Sozialarbeiter

Finanzsenator Thilo Sarrazin hat mal wieder in die verbale Trickkiste gegriffen und Sozialarbeitern indirekt Faulheit unterstellt. Von der Linken hagelt es nun Kritik - die Diakonie fordert seinen Rücktritt.

Stefan Jacobs
Sarrazin
Immer für eine Provokation gut: Thilo Sarrazin -Foto: dpa

Es war am Montagabend, als er Journalisten in vertraulicher Runde einen seiner gefürchteten Powerpoint-Foliensätze präsentierte. Aus dem ging die höchst unterschiedliche Ausstattung der Bezirke mit Sozialarbeitern hervor. Warum alle anderen Bezirke deutlich mehr Personal haben als Neukölln, kommentierte Sarrazin mit der Vermutung, dass die Sozialarbeiter nicht immer da eingesetzt würden, wo sie hingehörten: „Es ist ja auch anstrengend, über die Straße zu latschen und mit immer denselben Jugendlichen zu sprechen. Da sehnt man sich vielleicht nach einem warmen Büro mit einem übersichtlichen Aktenstapel, wo das Telefon drei Mal am Tag klingelt.“

Diese zunächst interne Äußerung gab Sarrazin dann selbst zur Veröffentlichung frei. Nun ist sie in der Welt – und die regt sich darüber auf. Diakoniechefin Susanne Kahl-Passoth sagt, „diese unqualifizierte herabwürdigende Aussage“ sei für die hart arbeitenden Sozialarbeiter „wie ein Faustschlag ins Gesicht“. Wolfgang Albers, amtierender Landeschef der Linken, diagnostiziert beim Finanzsenator „Instinktlosigkeit, die an politischen Autismus grenzt“. Sarrazin gefährde zunehmend die Akzeptanz für den rot-roten Senat. Auch andere Linke sind sauer, zumal das Problem der Sozialarbeiterstellen intern als gelöst gilt: Noch in diesem Jahr dürfte es wohl – mit Sarrazins Segen – externe Neueinstellungen geben. Die Pläne sollen noch von den Bezirksämtern abgenickt werden. Sarrazin hatte mit Blick auf seine Personalfolien gesagt, dass er sich „schon auf eine sehr interessante Diskussion mit den Finanzstadträten freue“.

So redet er eben – zum Verdruss auch seines Chefs. Klaus Wowereit hatte tagelang geschäumt, als der Gutverdiener Sarrazin in einem Interview fünf Euro pro Stunde für seinen „persönlichen Mindestlohn“ befand, während die SPD für 7,50 Euro kämpft. Danach gelobte Sarrazin Besserung. Einen Monat ist das her.

Die Mindestlohn-Nummer war die erste, nach der auch eigene Genossen Sarrazin zum Rücktritt aufgefordert hatten. Diesmal beschränkt sich die Reaktion auf Augenrollen – wohl auch, weil viele schon auf dem Weg in den Urlaub sind, Klaus Wowereit inklusive. Stefan Jacobs

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