Verbraucherschutz : Experten: Spielzeug muss sicher werden

In Berlin haben Experten jetzt eine verpflichtende behördliche Überprüfung von Spielzeug und anderen Artikeln für Kinder sowie neue Sicherheitsgesetze gefordert. Anlass ist ein Vorfall, bei dem ein vierjähriges Mädchen aus Neukölln einen Plastiksplitter vom Becherrand eines Disney-Eisbechers verschluckte und sich verletzte.

Annette Kögel

Das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) warnt Berliner Eltern: Spielzeug oder auch Kinderwagen müssen infolge der EU-Gesetze vor der Markteinführung nicht mehr von unabhängigen Prüfern getestet werden. „Das kann nicht sein, dass Kinder als Versuchspersonen dienen und die Behörden dann erst einschreiten, wenn sich ein Kind verletzt hat“, kritisiert der Sprecher des Deutschen Kinderhilfswerks, Michael Kruse.

Anlass der Forderungen ist ein Vorfall, bei dem ein vierjähriges Mädchen aus Neukölln einen Plastiksplitter vom Becherrand eines Disney-Eisbechers verschluckte und sich im Hals verletzte. Wie berichtet, stoppte die Firma Nestlé-Schöller vorsorglich den Verkauf des kombinierten Eis-Spielzeug-Koffers. Für den heutigen Montag werden die Laborergebnisse mehrerer Eisprodukte aus der Disney-Reihe erwartet. Die Herstellerfirma bedauert den Vorfall, sie testet das Verpackungsmaterial erneut.

Nach Angaben des Lagetsi-Sprechers Robert Rath gibt es bei Markenherstellern selten solche Fälle; ebenso seien Eltern beim Kauf im Fachhandel und in Discounterketten meist auf der sicheren Seite. Bei Kinderartikeln aus 99-Cent-Läden, Restegeschäften, dem Import-Export-Handel sowie von Wochenmärkten sei jedoch Vorsicht geboten. Da würden Schwimmhilfen verkauft, in denen sich Kinder nach dem Umkippen nicht mehr aufrichten könnten, oder Nuckel mit fluoreszierender Flüssigkeit, die Babys jedoch aufbeißen könnten. Bei bunten Blumen-Lichterketten seien die Kabel gefährlich dünn. Man kooperiere beim Import solcher Waren in Berlin bereits mit dem Zoll. Zudem sei das Amt kritisch gegenüber Buggys für Jogger. Man könne Kinder dort oft nicht richtig sichern, sie könnten während der Fahrt in die Speichen fassen.

„Es kann nicht sein, dass in Zeiten der Wirtschaftskrise finanziell benachteiligte Familien in Berlin jetzt durch weitere Risiken noch einmal benachteiligt werden“, sagt Kinderhilfswerk-Sprecher Kruse. Er fordert mehr Test-Stichproben. Doch während das Land bei der Veterinär- und Lebensmittelkontrolle rund 170 Fachleute im Einsatz hat, sind es bei der Produktüberwachung im Lagetsi gerade zwei Mitarbeiter. Kruse: „Das Personal muss dringend aufgestockt werden, das steht in keinem Verhältnis.“ Zudem müsse geprüft werden, warum die beiden Kräfte anders als Lebensmittelkontrolleure monierte Artikel nicht beschlagnahmen dürfen. „Produkte für Kinder müssen zu hundert Prozent sicher sein“, fordert Kruse.

Das „CE“-Siegel besagt nach Auskunft von Lagetsi-Sprecher Rath, dass der Hersteller aus seiner Sicht europäische Normen garantiere, „GS“ bedeute „geprüfte Sicherheit“ – die werde von dem vom Hersteller beauftragten Labor festgestellt, „nicht von unabhängigen Dritten“. Die EU hat die mitunter langwierigen behördlichen Tests abgeschafft, um Marktinnovationen zu befördern. Annette Kögel

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