Berlin : Verdacht der Untreue: Mitarbeiter der Polizei sollen Rechnungen manipuliert haben

Holger Stark

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen vier Mitarbeiter des Landespolizeiverwaltungsamtes wegen des Verdachts der Untreue. Die Mitarbeiter sollen über mehrere Jahre manipulierte Rechnungen einer Baufirma bezahlt haben. Die Schadenssumme beträgt nach Angaben der Justiz bis zu 600 000 Mark. Von den vier Mitarbeitern ist nach Aussage von Landespolizeiverwaltungsamts-Chef Wolf-Peter Lange ein Beamter vom Dienst suspendiert worden, bei zwei Angestellten wird noch geprüft. Ein Mitarbeiter ist mittlerweile pensioniert.

Das Landespolizeiverwaltungsamt ist unter anderem für die Unterhaltung der Gebäude der Polizei zuständig. In den vergangenen Jahren war die Baufirma an fast allen Sanierungen und Instandsetzungen von Gebäuden der Polizei beteiligt - etwa bei Direktionen, Abschnitten, Verwaltungsgebäuden. Bei den Arbeiten handelte es sich um kleinere Aufträge, die über Stundenlöhne abgerechnet werden konnten. Die Hochbaufirma erledigte die Arbeit und stellte die Leistungen in Rechnung. Erst bei einer Kontrolle stellte sich heraus, dass ein Großteil der Unterlagen offenbar gefälscht waren. "Uns sind Stunden in Rechnung gestellt worden, die ganz woanders erbracht wurden", bestätigte Lange dem Tagesspiegel.

Im August durchsuchten die Ermittler die Diensträume und die Privaträume der beschuldigten Mitarbeiter der Polizei sowie die der betroffenen Baufirma. Akribisch verfolgten die Fahnder sämtliche Transaktionen aus den Jahren 1997, 1998 und 1999 zurück, mehrere Tausend insgesamt, und überprüften sie anhand der beschlagnahmten Unterlagen. Demnach haben die Polizei-Mitarbeiter entweder wissentlich nicht korrekt geprüft oder aber mehrere Augen zugedrückt. Allerdings haben die Ermittler keine Anzeichen dafür, dass die Firma Verwaltungsmitarbeiter bestochen hat. Das Unternehmen selbst ist derzeit nicht erreichbar.

Die Polizei will nun versuchen, die gute halbe Million wieder von der Firma einzufordern. Lange: "Wenn die allerdings in Liquidation geht, stehen die Chancen nicht sehr gut."

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