Berlin : Vergnügliche Brunnen-Safari

An den Angermünder Wasserspielen von Christian Uhlig kann man originelle Figuren entdecken

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Die Handwerker haben sich auf einem Zettel zur Pause in die Kneipe Schweizer Hof verabschiedet. Im Zeitungspapier trägt eine Marktbesucherin ihre soeben gekauften Fische nach Hause, während ein ihr entgegenkommender Mann offenbar nichts Gutes im Schilde führt. Denn in der linken Hand versteckt er eine Maus, mit der er wohl die holde Weiblichkeit erschrecken will. Auf seiner anderen Hand scheint er auf den ersten Blick eine fette Gans zu präsentieren, beim genauen Hinsehen entpuppt sich diese aber als ein Mopedmotor.

Die aus vielen Teilen bestehenden Wasserspiele auf dem Angermünder Marktplatz bieten Anlässe zum Schmunzeln, Nachdenken und Staunen. Hier gehen besonders Kinder gerne auf Brunnen-Safari, um vieles zu entdecken. Der Brunnen gehört seit 1997 zu den Wahrzeichen der Stadt, obwohl seine Aufstellung einen Proteststurm auslöste.

Viele Einwohner und die Redaktion der örtlichen Zeitung hatten sich einen gewöhnlichen Marktbrunnen mit Fontänen und einem großen Becken gewünscht. „Heute hat sich die Aufregung längst gelegt“, sagt der Schöpfer des Brunnens, Christian Uhlig. „Die Angermünder lieben ihren Brunnen, weil sie sich in einigen Szenen nicht selbst erkennen.“

Der 1944 in Dresden geborene und seit vielen Jahren in der Uckermark lebende Baukeramiker und Plastiker hat den Alltag der Einwohner für seine vielfältigen Brunnenmotive gut beobachtet. Das fängt schon bei der Kleidung, den Blicken und den vielen Utensilien der beiden Figuren an.

Ihre scheinbar elegante Kleidung schmücken einige erstaunliche Details, die erst beim genauen Hinsehen zu erkennen sind. Die Marktbesucherin trägt ihr Essbesteck auf dem Kopf, der Mann hat sich diverse Messingstücke angesteckt. Zum Brunnen gehören eine Werkzeugkiste, ein Stuhl mit einer abgelegten Flöte und Gemüse sowie ein Verkaufstisch mit Fischen und eine Katze mit Mäusen, die sie gerade erlegt hat.

Das eigentliche Brunnenbecken besteht aus einem Kahn. In ihm steht allerdings das Wasser. Außerdem gibt es mehrere Löcher in der Bootswand. „Hier stehen die Menschen, machen Entdeckungen und erzählen sich eigene Geschichten“, sagt Christian Uhlig. „Der Kahn erinnert an die Fischerei in der Angermünder Umgebung, vor allem an der Oder.“ Nur der zur Eröffnung gefasste Plan, die Marktbesucher hier zum Einwerfen von Münzen zu motivieren, funktionierte in der Stadt nicht. Jedes Geldstück wird von aufmerksamen Kindern sofort wieder herausgeholt.

Christian Uhlig lebt und arbeitet mit seiner Frau Birgit in einer Jugendstilvilla von 1908 direkt vor der Stadtmauer am Franziskanerkloster. Die Pforte zu ihren „Ateliers am Kloster“ ist jeden Donnerstag von 11 bis 19 Uhr für Besucher geöffnet. Uhlig zeigt seine Plastiken, seine Frau ihre Filzkunst – Hüte, Kleider, Accessoires.

Werke des Angermünder Künstlers kann man in etlichen anderen deutschen Städten bewundern. Im Zentrum von Cottbus stellte er das Stadtoriginal dar: den Postkutscher.Claus-Dieter Steyer

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