Verkehr : BVG lässt Busse ausfallen – täglich fehlen Fahrer

An vielen Haltestellen müssen Passagiere derzeit lange warten Der Ferienplan bringt in dieser Woche weitere Einschränkungen

Klaus Kurpjuweit
BVG Busse
Fahren oder nicht? Der BVG stehen Streiks ins Haus. -Foto: ddp

Wann wird er kommen? Auf den Fahrplan können sich Fahrgäste der BVG, die auf den Bus warten, derzeit nicht verlassen. Reihenweise fallen Fahrten aus, weil Fahrer fehlen. Hinzu kommt, dass die BVG seit heute nach einem Ferienfahrplan fährt, der weitere Einschränkungen im Betrieb bringt. So fallen beim Bus die an den Haltestellen gekennzeichneten sogenannten Schulfahrten ersatzlos aus. Auch bei der U-Bahn schränkt die BVG das Angebot in der Ferienwoche ein.

„Wir müssen Fahrten ausfallen lassen“, bestätigte BVG-Vorstand Thomas Necker dem Tagesspiegel. Die BVG habe zu wenige Busfahrer. Bis zu 25 für den Fahrplan erforderlichen Dienste von Busfahrern könnten derzeit täglich nicht besetzt werden; normal seien etwa fünf Ausfälle. Etwa tausend Busfahrer sind nach Neckers Angaben täglich unterwegs.

Der Verkehrsbetrieb versucht, durch Überstunden das Defizit zu verringern. Viele Fahrer, vor allem in der Tochtergesellschaft Berlin Transport, arbeiten deshalb sechs Tage in der Woche. Angaben aus dem Betrieb, dass deshalb der Krankenstand gestiegen sei, widerspricht Necker. Einen Zusammenhang zwischen dem Krankenstand und den Überstunden gebe es auch deshalb nicht, weil jeder Fahrer Mehrarbeit ablehnen könne.

Erschwert werde die Lage, sagte Necker, weil es in diesen Wochen eine „Hochphase“ im Ersatzverkehr gebe, da bei der U- und der Straßenbahn an vielen Stellen gebaut werde. So hat die BVG auch den Schienenersatzverkehr für die U-Bahn-Linie 9 zwischen Westhafen und Osloer Straße dem Bahnunternehmen Bex übertragen. Ersatzverkehre sollen eigentlich die Mitarbeiter der BVG-Tochter Berlin Transport fahren. Aber auch für reguläre Fahrten hat die BVG bereits verstärkt private Unternehmen eingebunden. Deren Anteil liegt jetzt bei elf Prozent; vereinbart sind mit der Gewerkschaft acht Prozent.

Zum Fahrermangel sei es gekommen, weil die Gewerkschaft Verdi bis zum Abschluss eines neuen Tarifvertrages einen Einstellungsstopp durchgesetzt habe, sagte Necker. Der Vertrag gelte seit September. Seither gebe es auch wieder Einstellungen. Allerdings dauere die Ausbildung von mehr als 200 Fahrern noch bis zum Jahresende.

Zum Teil hat aber auch der frühere BVG-Vorstand die Fahrermisere verursacht. In den vergangenen Jahren versüßte er Mitarbeitern das Verlassen der BVG mit hohen Abfindungen. Doch statt der Angestellten im überdimensionierten Verwaltungsbereich machten davon vor allem Fahrer Gebrauch.

Beschwerden über ausgefallene Fahrten habe es noch nicht gegeben, sagte Necker weiter. Fahrgäste, die lange auf den Bus warten müssen, wissen in der Regel allerdings auch nicht, warum der „Große Gelbe“ nicht kommt. Er kann schließlich auch im Stau stecken oder durch einen Unfall oder eine Demonstration aufgehalten werden.

Beschwert hat sich allerdings der Fahrgastverband IGEB – über den Ferienfahrplan, der in dieser Woche gilt. Vor allem bei der U-Bahn seien die Einschränkungen überzogen, kritisierte der IGEB-Vorsitzende Christfried Tschepe. Necker verteidigt auch diese Angebotskürzungen: „In den Ferien haben wir weniger Fahrgäste und leere Fahrzeuge können wir nicht fahren lassen.“ Die S-Bahn verzichtet dieses Mal dagegen auf Einschränkungen im Betrieb. Der Aufwand sei für eine Woche zu groß, sagte ein Sprecher. Necker dagegen argumentiert, das Unternehmen spare so pro Woche „einige hunderttausend Euro“.

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