Verkehr : S-Bahn kriegt die Krise bei Großveranstaltungen

Fahrzeugmangel und Streckensperrung haben am Mittwoch ins Chaos bei der Fahrt zum ausverkauften Olympiastadion geführt.

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Mit Müh und Not schafft es die S-Bahn in Berlin, den aktuellen Fahrplan einzuhalten. Sie ist aber anfällig für Ausnahmesituationen - und die gibt es in Berlin ständig. Foto: dpa
Mit Müh und Not schafft es die S-Bahn in Berlin, den aktuellen Fahrplan einzuhalten. Sie ist aber anfällig für Ausnahmesituationen...Foto: dpa

Fahrzeugmangel und ein in einem Kopfkissen verpackter Fernseher haben am Mittwoch zum Chaos beim S-Bahn-Verkehr vor dem Fußballspiel zwischen Hertha BSC und Real Madrid im Olympiastadion geführt. Erst kurz vor Spielbeginn um 18 Uhr wollte die S-Bahn zusätzliche Züge zwischen den Bahnhöfen Charlottenburg und Olympiastadion einsetzen. Dazu kam es aber nicht, weil der Verkehr auf der Ringbahn, von der die Verstärkerzüge über die Halenseekurve kommen sollten, zwischen 17.20 Uhr und 17.45 Uhr unterbrochen war. Im Bahnhof Hermannstraße in Neukölln hatte man einen verdächtigen Gegenstand entdeckt – den in ein Kopfkissen gepackten Fernseher, wie sich dann herausstellte.

Doch auch schon vorher ließ die S-Bahn neben den beiden regulären Linien S 3 aus Erkner und S 75 aus Wartenberg, die bis Spandau fahren, nur die S 5 aus Strausberg, die sonst am Westkreuz endet, bis zum Olympiastadion fahren. Alle drei Linien waren jeweils im 20-Minuten-Takt unterwegs, so dass theoretisch alle vier bis sechs Minuten eine Bahn kommen sollte. Technisch möglich wäre ein Abstand von 90 Sekunden, was die S-Bahn bereits zu den Olympischen Spielen 1936 geschafft hatte. Damals hatte sie aber auch genügend Fahrzeuge.

Weil von den vorhandenen 650 Doppelwagen derzeit gerade einmal rund 450 betriebsfähig sind, konnten am Mittwoch auch nur die Züge der Linien S 3 und S 5 mit acht Wagen fahren, der maximalen Zuglänge bei der S-Bahn. Die S 75 dagegen war lediglich mit sechs Wagen unterwegs. Damit war der Andrang bei einem ausverkauften Olympiastadion mit rund 74 000 Zuschauern nicht zu schaffen (siehe „Von Tag zu Tag“ links). Fahrgäste versuchten, sich in schon rappelvolle Züge zu zwängen – und dann ging gar nichts mehr, weil auch die Einstiegsbereiche blockiert wurden und die Türen nicht geschlossen werden konnten. Besonders voll war der Bahnhof Westkreuz, weil dort von der Ringbahn in die Züge zum Olympiastadion umgestiegen wird.

Ganz durcheinander kam der Betrieb dann mit der Sperrung des Abschnitts Tempelhof–Neukölln auf der Ringbahn. So konnten nicht nur die vorgesehenen vier Verstärkerzüge ihr Ziel nicht erreichen, auch andere Züge fielen aus; nach Angaben eines Sprechers waren es neun. Elf weitere hatten Verspätungen von teilweise mehr als einer Stunde. Den normalen Betrieb – innerhalb des seit zwei Jahren üblichen Notfahrplans – habe man erst gegen 21.15 Uhr – also nach Spielschluss – wieder anbieten können. Dadurch war auch bei der Abfahrt kein Zusatzangebot möglich. Und die S 75 fuhr weiter mit nur sechs Wagen.

Die BVG hatte bei der Anfahrt auch nur einen Zug zusätzlich auf der U 12 eingesetzt, sagte Sprecherin Petra Reetz. Zur Rückfahrt habe es dann sechs zusätzliche Fahrten gegeben. Zudem waren Extra-Busse unterwegs.

Die S-Bahn schafft es nur mit Mühe, ihren Notfahrplan einzuhalten. Dabei warten weitere Großveranstaltungen im Olympiastadion: Im September kommt der Papst, und wenn Hertha erfolgreich in die Bundesliga startet, wird es auch voll. Wann wieder mehr Wagen eingesetzt werden, lässt die S-Bahn offen. Bei Veranstaltungen in der Wuhlheide oder bei Union-Spielen in der Alten Försterei will sie jedenfalls weiter keine Zusatzzüge anbieten. Klaus Kurpjuweit

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