Verkehr : Studie empfiehlt Parkzonen für Prenzlauer Berg

Weil Autofahrer kaum noch Lücken im Szeneviertel Prenzlauer Berg finden, will der Bezirk für 7700 Stellflächen kassieren. In anderen Teilen der Stadt gab es Proteste gegen ähnliche Lösungen. Nun ist die Pankower Bezirksverordneten- versammlung am Zug.

Eine Parkraumbewirtschaftung ist in Teilen Prenzlauer Bergs sinnvoll. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Bezirksamt Pankow beim Berliner Verkehrsplanungsbüro LK Argus in Auftrag gegeben hat. Deren Empfehlungen will Jens-Holger Kirchner (Grüne), Stadtrat für öffentliche Ordnung, bis zum Jahr 2010 umsetzen. Gestern stellte er die Studie im Verkehrsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vor.

LK Argus hat ein Gebiet von insgesamt fünf Quadratkilometern untersucht, empfiehlt die Parkzonen zunächst aber nur für fünf Quartiere zwischen Prenzlauer Allee, Torstraße, Mauerpark und nördlichem S-Bahn-Ring (siehe Grafik). Es geht um 7700 Parkplätze, die künftig einen Euro pro Stunde kosten sollen. Anwohner erhalten für 20,40 Euro eine Parkvignette für zwei Jahre. Die etwa 2,5 Millionen Euro teure Maßnahme bringe etwa 2,7 Millionen Euro in die Bezirkskassen. „Es geht nicht ums Geldverdienen, sondern um verkehrssteuernde Effekte“, sagte Kirchner. Mit dem Auto zum Kaffeetrinken in den Szenekiez zu fahren, soll möglichst unattraktiv werden. Außerdem kämen immer mehr Parkplatzsuchende aus Mitte, seit dort im April drei Parkzonen an der unmittelbaren Bezirksgrenze zu Pankow eingerichtet wurden. Teilweise sind die Stellplätze jetzt bis zu 110 Prozent ausgelastet. Die Parkraumbewirtschaftung in Prenzlauer Berg könnte die Auslastung laut Studie auf 85 Prozent reduzieren.

Die angrenzenden Quartiere Falkplatz, Am Prenzlauer Berg, Immanuelkirchstraße, Christburger Straße und Thälmann-Park sollen zunächst nur beobachtet werden. Besonders ist die Situation am Falkplatz. „Wir müssen sehen, wie sich die Max-Schmeling-Halle entwickelt“, sagte Kirchner und verwies auf die Konkurrenz durch die O2-World. Bei Bedarf sei eine Parkraumbewirtschaftung nur an Veranstaltungstagen denkbar.

Laut Kirchner befürworteten selbst die Bewohner die Parkraumbewirtschaftung. In anderen Bezirken gab es dagegen Proteste. Am 28. September scheiterten die Initiatoren eines Bürgerbegehrens gegen neue Parkzonen in Mitte. Erfolgreicher waren die Bürger in Charlottenburg-Wilmersdorf. Sie verhinderten 2007 mit einem Bürgerbegehren entsprechende Pläne. In Pankow muss die BVV die Empfehlungen der Studie zunächst noch abnicken. mj

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