BVG : Mehr Fahrgäste, weniger Geld

Die BVG zählte im vergangenen Jahr acht Millionen Fahrten mehr und soll nun auf Einnahmen verzichten - weil eine Berechnungsmethode umgestellt werden soll.

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Mehr Fahrgäste, weniger Geld: Wenn der Einnahmeaufteilungsvertrag geändert wird, zieht die BVG den Kürzeren.
Mehr Fahrgäste, weniger Geld: Wenn der Einnahmeaufteilungsvertrag geändert wird, zieht die BVG den Kürzeren.Foto: dpa

Ziel erreicht: Als Sigrid Nikutta im September 2010 ihr Amt als BVG-Chefin angetreten hatte, gab sie die Vorgabe aus, neue Fahrgäste zu gewinnen. Und es hat geklappt. Nach vorläufigen Berechnungen hat die Zahl der Fahrten im vergangenen Jahr von 922 Millionen auf über 930 Millionen zugenommen. Von der S-Bahn, die immer noch nicht ihr normales Angebot fahren kann, gibt es noch keine Angaben. Bei der BVG ist man überzeugt, auf Dauer zusätzliche Kunden gefunden zu haben, die der S-Bahn den Rücken gekehrt haben. Vor allem bei der U-Bahn seien die Züge voller geworden, sagte Sprecherin Petra Reetz. Dazu beigetragen habe aber auch der eingeführte Fünf-Minuten-Takt an Sonntagnachmittagen auf den meisten Linien.

Angaben zu Fahrgastzahlen können aber immer nur Näherungswerte sein. An wenigen Tagen wird gezählt, ansonsten wird gerechnet. Beim Rechenmodell wird zum Beispiel angenommen, dass der Besitzer einer Monatskarte insgesamt 60 Fahrten zurücklegt. Wird dabei eine Tour vom Arbeitsplatz nach Hause unterbrochen, etwa um einzukaufen, wird die Fortsetzung der Fahrt als neue gewertet. Als die BVG vor Jahren ihre Berechnungsmethode umstellte, war die Zahl der Fahrgäste rechnerisch gewaltig zurückgegangen.

Um exaktere Zahlen zu bekommen, baut die BVG weitere Zähleinrichtungen in Bahnen und Bussen ein, die jeden ein- und aussteigenden Fahrgast registrieren. Ein weiterer Vorteil der exakteren Zahlen ist, dass die Planer besser wissen, wie sich die Verkehrsströme verändern. Wo weniger Fahrgäste unterwegs sind, kann das Angebot reduziert werden, umgekehrt lässt es sich erweitern.

Genauere Zahlen erleichtern auch die Abrechnung der Verkehrsbetriebe untereinander. Denn auch der sogenannte Einnahmeaufteilungsvertrag basiert zum großen Teil auf Berechnungen und Befragungen und nicht auf Zählungen. Weil Fahrgäste im Verbund mit Bahnen und Bussen verschiedener Unternehmen fahren können, darf ein Betrieb nur einen Teil der direkt erzielten Einnahmen auf dem Fahrscheinverkauf behalten; den anderen Teil erhalten die Unternehmen, mit denen die Fahrgäste auch gefahren sind – oder hätten fahren können. Die Berechnung der Ausgleichszahlungen ist kompliziert.

Der Einnahmeaufteilungsvertrag, der 2003/2004 unter großen Mühen abgeschlossen worden war, soll jetzt modifiziert werden. Demnach müssten die BVG und die S-Bahn einen größeren Betrag an den Regionalverkehr abgeben als bisher. Der Entwurf sieht vor, dass es für längere Fahrten rechnerisch mehr Geld geben soll. Und die längsten Fahrten werden statistisch in den Zügen des Regionalverkehrs zurückgelegt.

Das Paradoxum: Wird die Berechnungsmethode tatsächlich umgestellt, haben BVG und S-Bahn am Ende weniger Geld in der Kasse, obwohl zumindest die BVG zusätzliche Fahrgäste gewonnen und somit höhere Einnahmen erzielt hat.

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