Chaos auf dem Gleis : S-Bahn schränkt Angebot weiter ein

Pünktlich zum Ferienende und der wahrscheinlichen Rückkehr des Winters schränkt die S-Bahn ihr Angebot erneut ein. Weil nach Spandau und Potsdam weiterhin nur alle 20 Minuten Züge fahren, gibt es hier erneut Ersatzverkehr.

Klaus Kurpjuweit
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Normaler Fahrplan, aber verkürzte Züge. -Foto: ddp

Zwischen Spandau und Potsdam gibt Ersatzverkehr mit Regionalbahnen. Von 632 Zugeinheiten können nach derzeitigem Stand lediglich 310 eingesetzt werden, weniger als im Notverkehr vor Weihnachten. In Spitzenzeiten wären 552 erforderlich. Trotzdem verspricht die Bahn, im Jahr 2010 wieder einen normalen Fahrplan anzubieten – allerdings zum Teil weiter nur mit verkürzten Zügen. Mit einem vollständigen Normalbetrieb rechnet man, wie berichtet, erst in drei bis vier Jahren.

Die S-Bahn kann den Wagenmangel auf die Schnelle nicht beheben. Die Reserve war ohnehin sehr knapp angesetzt; seit die Fahrzeuge wegen der Sicherheitsprobleme häufiger in die Werkstatt müssen, reicht der Bestand für einen regulären Betrieb hinten und vorne nicht mehr aus. Obwohl das Wetter sich in den vergangenen Tagen verbessert hat, begründet die S-Bahn das erneute Einschränken des Angebots mit „zahlreichen witterungsbedingten Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten“, die zusätzlich zu den umfangreichen Fahrzeugüberprüfungen angefallen seien. Dabei waren die Wintervorbereitungen bereits abgeschlossen. Unzureichende Wartungsarbeiten hatten im vergangenen Januar den Verkehr fast lahmgelegt – allerdings erst bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad.

Das am Montag ohne vorherige Ankündigung reduzierte Angebot wird zum vorläufigen Dauerzustand. Zusätzlich fährt auf der S 7 (Ahrensfelde–Potsdam) jeder zweite Zug nur noch bis Ostbahnhof statt nach Charlottenburg. Mit der S-Bahn lassen sich Potsdam, Spandau, Lichtenrade und Wartenberg statt alle 10 Minuten nur alle 20 Minuten erreichen. Ende Januar will die Bahn „nähere Aussagen“ zur Rückkehr zum Normalfahrplan treffen. Der Betriebsratsvorsitzende Heiner Wegner rechnet damit, dass dies erst Ende 2010 möglich sein wird. „Was in fünf Jahren zerstört worden ist, lässt sich nicht in wenigen Monaten reparieren.“

Um Gewinne an den Konzern abführen zu können, hatte die S-Bahn Werkstätten geschlossen, Mitarbeiter geschasst und Fahrzeuge verschrottet. Im Dezember hatte die S-Bahn entschieden, die Werkstatt Friedrichsfelde wieder zu öffnen. „Ein Jahr zu spät“, urteilt der Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz. Wie auch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) fordert Franz, dass die Bahn die Fahrgäste erneut entschädigt.

Wenn die S-Bahn es schafft, 2010 zum Normalfahrplan zu fahren, sei damit noch kein Normalbetrieb erreicht, sagte gestern der Sprecher des Infrastrukturministeriums in Brandenburg, Lothar Wiegend. Einen Normalbetrieb gebe es erst, wenn die Züge auch mit der vorgesehenen Wagenzahl fahren. Und diesen Normalbetrieb gebe es erst in drei bis vier Jahren. Dies hatte Personenvorstand Ulrich Homburg dem Senat bestätigt.

Wegen der Zugausfälle wird der Senat den Zuschuss an die S-Bahn wohl um rund 50 Millionen Euro kürzen. Das Geld soll in den Ausbau des Nahverkehrs gesteckt werden. Während der Fahrgastverband Igeb fordert, hier Anlagen zu bauen, die sonst nicht finanziert werden könnten, wie ein Hallendach für den Regionalbahnhof am Ostkreuz, will die Finanzverwaltung, dass die BVG hier nur ohnehin geplante Maßnahmen finanziert, für die sie sich sonst hätte verschulden müssen. Klaus Kurpjuweit

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