Flughafen Berlin-Schönefeld : "Jede Verzögerung ist ein Nachteil für Berlin"

Bei den Fluggesellschaften hat die angekündigte Neuausschreibung Unruhe ausgelöst. In Brandenburg wird neue Ausschreibung dagegen begrüßt.

R. W. During,T. Metzner

 „Jede weitere Verzögerung wäre ein Nachteil für den Standort Berlin im internationalen Wettbewerb, in dem nicht nur die Airlines, sondern auch die Flughäfen stehen“, sagte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber. „Wir brauchen die Planungssicherheit, dass es 2011 endlich los geht.“ Die Fluggesellschaft Air Berlin fordert, die Neuausschreibung des Terminalbaus zum Anlass zu nehmen, den BBI gleich für größere Kapazitäten zu planen. Bei einem weiteren Wachstum der Passagierzahlen würde der für zunächst 22 Millionen Passagiere ausgelegte Flughafen bei seiner Eröffnung jährlich bereits über 21 Millionen Reisende zu bewältigen haben, sagte Firmensprecher Peter Hauptvogel. Eine Verzögerung der Inbetriebnahme wäre bedauerlich, da man trotz des neu gebauten Terminals C in Tegel bereits wieder auf Engpässe zusteuere. „Je früher der neue Airport kommt, desto besser für uns und für Berlin.“

In Brandenburg wird die Neuausschreibung für den Terminal über alle Parteigrenzen hinweg begrüßt. Als Konsequenz aus den neuen Turbulenzen fordert die Links-Oppositionsführerin im Landtag, Kerstin Kaiser, ein „professionelleres Management“ bei dem Milliardenprojekt. Kaiser erinnerte daran, dass das Projekt vorher bereits „zwei Mal ausgeschrieben worden war.“ Dennoch sei es zu einer Explosion der Kosten gekommen. Ungeachtet dessen sieht aber selbst die Brandenburger Linkspartei-Opposition, die den Großflughafen jahrelang bekämpfte, aber mittlerweile mit trägt, vor allem Chancen. „Das bisherige Versprechen der Politik, dass die einheimische Wirtschaft profitiert, war bisher nicht eingelöst“, betonte Kaiser.

Das ist auch die Position von Brandenburger Wirtschaftsverbänden sowie den beiden Regierungsfraktionen SPD und CDU, wie die Fraktionschefs Günter Baaske und Thomas Lunacek bekräftigten. „Es ist richtig, dass man die Kosten dämpft. Am Ende zahlen es sonst die Fluggäste und der Steuerzahler“, sagte Lunacek. „Es ist eine Chance für den Mittelstand“, betonte Baaske. Der SPD-Fraktionschef ließ zwar Zweifel anklingen, dass der Termin 2011 gehalten kann, nannte dies aber auch nicht vordringlich. „Es ist Eile geboten, aber keine Hektik.“

Auch Brandenburgs Wirtschaftsverbände begrüßten die Neuausschreibung. Wolf-Burkhard Wenkel, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau, mit 1000 Mitgliedsfirmen wichtigster Lobby-Verband der Bauwirtschaft der Region Berlin-Brandenburg, nannte die Aufteilung in kleinere Lose überfällig. „Das war unsere Forderung von Anfang an. Ein Riesenlos, bei dem nur wenige Unternehmen mitbieten konnten, musste zu überhöhten Preisen führen“, sagte Wenkel. Für Wenkel steht fest, dass entgegen den Ankündigungen die Inbetriebnahme 2011 nicht mehr zu halten ist. „Grund dafür ist allein die falsche Planung.“ Die Flughafengesellschaft sei offenbar nicht in der Lage, diesen Bau zu stemmen.

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