Nahverkehr : Ost-West-Verkehr der S-Bahn wird eingestellt

Nach dem Chaos der vergangenen Wochen geht bei der S-Bahn in der Berliner Innenstadt nichts mehr. Zwischen Zoologischem Garten und Ostbahnhof fahren ab Montag für zweieinhalb Wochen keine S-Bahn-Züge mehr, kündigte DB-Vorstand Ulrich Homburg an.

Klaus Kurpjuweit,Lars von Törne

Nach dem Chaos der vergangenen Wochen wird der S-Bahn-Verkehr in der Berliner Innenstadt nun fast komplett eingestellt. Zwischen der West- City am Zoologischen Garten und dem Ostbahnhof würden ab Montag für zweieinhalb Wochen keine S-Bahn-Züge mehr verkehren, kündigte DB-Vorstand Ulrich Homburg am Donnerstagnachmittag an. Berliner und Touristen werden sich noch bis zum Winter auf Einschränkungen einstellen müssen. „Anfang Dezember werden wir wieder das vollständige Fahrplanangebot haben“, sagte Homburg.

Im Nord-Süd-Tunnel wird der Verkehr weiter eingeschränkt, und auf den Strecken zwischen Olympiastadion und Spandau, Westkreuz und Nikolassee, Mühlenbeck-Mönchmühle und Blankenburg, Springpfuhl und Wartenberg, Strausberg und Strausberg Nord sowie Adlershof und Flughafen Schönefeld fahren keine Bahnen mehr. Damit ist Schönefeld nicht mehr mit der S-Bahn zu erreichen. Als Ersatz fahren Busse.

Grund für diese Einschränkungen sei ein Beschluss des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA), nach dem der S-Bahn nur noch rund ein Drittel der Fahrzeugflotte zur Verfügung steht. Den Verkehr zwischen Zoo und Ostbahnhof sollen sieben Regionalzüge pro Stunde und Richtung übernehmen.

Nach den neuesten Anordnungen des Eisenbahn-Bundesamtes vom Donnerstag müssen weitere Züge aus dem Betrieb genommen werden. Nur 165 Viertelzüge aus jeweils zwei Wagen sollen noch im Einsatz bleiben können. Sie werden meist als Kurzzug mit vier Wagen eingesetzt. Normalerweise benötigt die S-Bahn zu den Hauptverkehrszeiten 552 Viertelzüge. Damit sei aber „die Talsohle erreicht“, sagte DB-Vorstand Homburg, weitere Einschränkungen könne die Bahn ausschließen. Die ab Montag eingesetzten Züge seien „stabil und verlässlich“, was Experten überprüft hätten.

Die als Ersatz für ausfallende S-Bahnen eingesetzten Regionalzüge hat die Bahn sich aus ganz Deutschland ausgeliehen. Bereits seit Montag fahren stündlich zwei zusätzliche Regionalbahnen zwischen Potsdam und Berlin-Ostbahnhof. Allerdings können die Zusatzzüge nur auf Bahnhöfen mit Fernbahnsteigen halten. Zu den anderen Stationen müssen Fahrgäste laufen oder mit Bahnen und Bussen der BVG fahren.

Wie weit die BVG ihr Angebot verstärken kann, wollten die Unternehmen am Donnerstagabend ausloten.
Eine Sprecherin der BVG sagte der Nachrichtenagentur ddp, die U-Bahn werde auf allen Linien außer auf der U 4 trotz des Ferienfahrplans im Fünf-Minuten-Takt fahren. Außerdem würden im gesamten Bereich lange Züge auf den Strecken eingesetzt. Zudem gebe es 15 Züge in Bereitschaft, die rasch hinzugezogen werden könnten, „wenn es eng wird“. Auch bei Bus und Straßenbahn würden größere Fahrzeuge eingesetzt, damit man auf Engpässe eingerichtet sei.

Bereits am Mittwoch hatte der neue S-Bahn-Chef Peter Buchner angekündigt, dass sich die Lage noch verschlimmern werde. Die S-Bahn fährt bereits seit mehr als zwei Wochen nach einem Notfahrplan. Immerhin konnten bisher aber fast alle Linien eingeschränkt weiter betrieben werden. Wie lange die Züge im Stadtzentrum innerhalb des S-Bahn- Rings ausfallen werden, ist noch offen.
Das Eisenbahn-Bundesamt hat komplizierte Kontrollvorschriften erlassen und festgelegt, dass nach dem Erreichen vorgegebener Laufleistungen alle Räder der Züge der Baureihe 481, die erst Mitte der 90er Jahre angeschafft worden waren, ausgetauscht werden müssen. Je nach Belastung müssen die Räder nach unterschiedlichen Fristen ausgewechselt werden . Zum Austausch hat das Eisenbahn-Bundesamt auch noch unterschiedliche Termine bestimmt. Das muss die S-Bahn jetzt unter einen Hut bringen und ihre Werkstätten entsprechend organisieren. 500 Viertelzüge dieser Baureihe besitzt die S-Bahn. Damit stellen sie den Löwenanteil der Flotte. Insgesamt sind derzeit nach Angaben des Unternehmens 630 Viertelzüge vorhanden. Rund die Hälfte ist bereits abgestellt, weil nach dem Bruch eines Rades am 1. Mai die Kontrollen verschärft worden waren. Nach den neuesten Anweisungen müssen nun weitere Züge aufs Abstellgleis, bis sie überprüft worden sind.

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