Umstritten : Spekulationen um S-Bahn-Chef

Viele lasten ihm das schlechte Image der Berliner S-Bahn an: Geschäftsführer Ulrich Thon steht in der Kritik. Kritiker kreiden ihm den Sparkurs an und nicht zuletzt das die "Chaostage" im Februar, als tagelang Züge ausfielen. Jetzt nimmt er eine Auszeit.

Klaus Kurpjuweit

Der für den technischen Bereich bei der S-Bahn zuständige – und umstrittene – Geschäftsführer Ulrich Thon hat sich verabschiedet. Während ein Sprecher sagte, Thon kehre nach Ostern zurück, nimmt der Vorsitzende des Betriebsrats, Heiner Wegner, an, dass der Abschied endgültig ist. Thon ist wegen seines rigiden Sparkurses das Feindbild in großen Teilen der Belegschaft. Unter seiner Führung wurde die Zahl der Mitarbeiter drastisch reduziert und Fahrzeuge verschrottet. Auf vielen Bahnhöfen wurden die Zugabfertiger abgezogen, obwohl die als Ersatz vorgesehene Abfertigung der Züge per Kamera durch die Triebfahrzeugführer bisher nicht zugelassen worden ist.

Offiziell wird Thons Rückzug damit begründet, dass er ein krank gewordenes Familienmitglied pflegen wolle. Betriebsratschef Wegner rechnet aber nicht damit, dass Thon zurückkehrt. Die Mehrheit der Belegschaft, die jetzt aufgeatmet habe, wäre dann, so Wegner, vor den Kopf gestoßen. Nur mit einem Kurswechsel in der Geschäftsführung sei es möglich, das Vertrauen der Belegschaft zurückzugewinnen.

Wegner will, dass die S-Bahn in Zukunft nur noch drei Geschäftsführer hat. Sollte Thon nicht zurückkehren, dürfe es auch keinen Nachfolger geben. Das Unternehmen, das an allen Ecken spart, um Gewinn zu machen, leistet sich derzeit vier gut bezahlte Geschäftsführer. Die viel größere BVG kommt dagegen mit nur drei Vorstandsmitgliedern aus.

Nach Ansicht Wegners hat der extreme Sparkurs dazu geführt, dass in den Frosttagen Anfang des Jahres fast der gesamte Betrieb zusammengebrochen war. Selbst auf nachfragestarken Strecken wie dem Ring fahren Züge mit nur sechs statt mit acht Wagen. Dafür hat die S-Bahn 2007 dem Konzern Deutsche Bahn AG rund 34 Millionen Euro als Gewinn überwiesen; 2008 soll die Summe noch höher gewesen sein.

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