Verkehr : Straßenschäden - tausende im Stau

Berlins Straßen sind in einem beklagenswerten Zustand. Am Freitag standen tausende Autofahrer im Stau, weil beschädigte Fahrbahnen auf dem Mühlendamm und der Leipziger Straße in Mitte gesperrt waren. Der ADAC fordert die Behörden zum raschen Handeln auf.

Christoph Stollowsky,Klaus Kurpjuweit

Schlaglöcher, Risse, beschädigte Bordsteine: Viele Straßen in Berlin sind laut ADAC in einem „jammervoll schlechten Zustand“. Weitere Schäden kommen jetzt durch den Frost der vergangenen Tage hinzu. Diese seien jedoch „winterüblich“, sagen Experten. Eine gravierende Zunahme durch den strengen Frost sei nicht zu erwarten. Gehwege hätten durch die tiefen Temperaturen sogar weniger gelitten. Hier entstünden Schäden vor allem bei Temperaturen um null Grad durch das Befahren mit Räumfahrzeugen. Beim Ausbessern der Schäden gibt es seit Jahren einen Investitionsstau.

In den vergangenen acht Jahren habe das Land nur etwa 300 Millionen Euro für die Instandsetzung von Straßen ausgegeben, obwohl dank des Autoverkehrs rund 2,7 Milliarden Euro Einnahmen durch Kfz-Steuern, Parkgebühren oder Bußgelder in die Landeskasse geflossen seien, rechnet der Chef des Automobilclubs, Walter Müller, vor. Für das Beseitigen von Schlaglöchern erhalten die Bezirke vom Senat bis 2011 jährlich zusätzlich sechs Millionen Euro.

Anlässlich der Präsentation eines verkehrspolitischen Fünf-Punkte-Programms verlangte Müller nun, Straßen schnellstens auszubessern, was auch der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg unterstützt.

Außerdem möchte der ADAC „übertriebene“ Einschränkungen des Autoverkehrs reduzieren: Dazu zählt er viele Tempo-30-Zonen, gebührenpflichtige Parkzonen und die Bevorrechtigung des öffentlichen Nahverkehrs durch Busspuren und „Grüne Wellen“. Auch die Umweltzone gehöre abgeschafft.

Tempo 30 in Wohnstraßen befürworte auch der ADAC, sagt dessen Verkehrsexperte Eberhard Waldau. Doch inzwischen gelte die Geschwindigkeitsbegrenzung auch auf vielen teils nur kurzen Abschnitten von Hauptstraßen, weshalb die Fahrer ständig schalten, bremsen und beschleunigen müssten. Waldau: „Für die Anwohner wird es dadurch nicht leiser. Die Abgaswerte aber steigen.“ Statt Tempo 30 schlägt der ADAC mehr Grün-Wellen und lärmmindernde Straßenbeläge vor.

Auch bei der Parkraumbewirtschaftung ist der Senat aus Sicht des Automobilclubs „über das Ziel hinausgeschossen“. Die Ausdehnung der Parkzonen auf große Wohngebiete sei „sinnlose Abzockerei“. Stattdessen wünscht sich der ADAC verbesserte Parkleitsysteme, „die Parksuchverkehr reduzieren“.

Um Wohngebiete vom Verkehr zu entlasten, müsse man den Stadtring baldmöglichst ausbauen. Bislang ist nur der Weiterbau über den Treptower Park bis zur Frankfurter Allee beschlossene Sache – es fehlt aber noch das heftig umstrittene letzte Stück durch Prenzlauer Berg und Wedding.

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