Berlin : Verlage stoppen Noten-Ausverkauf - Wandert die Ware in den Reißwolf?

Frederik Hanssen

Ohne laute Töne sollte der Räumungsverkauf bei Bote & Bock über die Bühne gehen, bevor Berlins traditionsreichste Musikalienhandlung am 31. März geschlossen wird. Ohne es vorher in der Presse angekündigt zu haben, wurden seit Montag an der Hardenbergstraße Noten und Musikbücher zum halben Preis verkauft, am Dienstag fielen die Preise dann noch einmal drastisch. Und die Mundpropaganda funktionierte, der Laden wurde überrannt. Doch dann kam plötzlich die Direktive aus der Geschäftsführung: Sofort den Ausverkauf stoppen! Wer gestern bei Bote & Bock vorbeischaute, stieß nur noch auf alte Preise - und enttäuschte Schnäppchenjäger.

"Obwohl alles mit der IHK abgesprochen war, kann ich unsere Entscheidung, einen Räumungsverkauf anzusetzen, nur als Fehleinschätzung einstufen", gibt Geschäftsführer Winfried Jacobs gegenüber dem Tagesspiegel zu. "Mit einer derart vehementen Reaktion der Musikverlage hatte ich nicht gerechnet." Kaum hatten diese nämlich vom Ausverkauf erfahren, drohten sie juristische Schritte an, wenn die Ladenpreisbindung für ihre Produkte nicht eingehalten werde. Jacobs blieb nur Rückzug: "Wir wollten keineswegs einen Präzendenzfall in Sachen Aufhebung der Buchpreisbindung provozieren. Aber alle Ware, die wir bis 31. März nicht verkaufen, müssen wir vernichten."

Vor dem Reißwolf kann die Partituren und Fachbücher jetzt nur noch die Konkurrenz retten - indem sie die Bestände aufkauft. Er sei durchaus dazu bereit, sich die Materialien anzuschauen, erklärt Hans Riedel, der Besitzer der letzten großen Berliner Musikalienhandlung. "Bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet."

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