Berlin : Verliebt ins Luxusbad

Wenn die Superstars nach Berlin kommen, dann beginnt der Superstress für die Fünf-Sterne-Hotels. Denn die Prominenz hat mitunter ungewöhnliche Wünsche. Der von Celine Dion war noch recht einfach zu erfüllen.

Björn Seeling

Eine Popdiva ließ die Fenster mit schwarzer Pappe verkleben, ein Schauspieler verwandelte die Präsidentensuite in ein Schlachtfeld, und ein Topmodel hielt die ganze Nacht den Zimmerservice in Atem: Wenn Superstars in Berlins Luxushotels absteigen, beginnt der Superstress für die Bediensteten. Schlimmer als bei Michael Jackson dürfte es kaum werden, meint da der Außenstehende angesichts des exzentrischen Stars und seines baumelnden Babys. Doch: „Michael Jackson war ein richtig netter Gast“, sagt Ulrike Heesch vom Adlon am Pariser Platz, das sich mit dem Grand Hyatt am Potsdamer Platz und dem Four Seasons am Gendarmenmarkt einen Wettlauf um die Prominenz liefert.

Der Rummel um einen Promi-Besuch beginnt natürlich nicht mit dem ersten Kreischen eines Fans vor dem Hotel. Tage, wenn nicht sogar Wochen vorher, überlegen die Hotels, wie sie dem Star den Aufenthalt so komfortabel wie möglich machen können. Wichtigster Punkt dabei: Soll der prominente Besucher inkognito bleiben? Manchmal wissen selbst die Hotels nicht, welche Berühmtheit sich die Ehre gibt. Im BuchungsComputer kann dann statt Ricky Martin auch schon mal „Mister Smith“ auftauchen. Dann geht’s an die Detailfragen: Kann die ganze Etage für den Prominenten reserviert werden? Sind die 200 Kleiderbügel für Mariah Carey rechtzeitig da? Wo steht die Wickelkommode für das Jackson-Baby? Wohin mit dem Luftbefeuchter für Kylie Minogue?

Im Grand Hyatt gibt es einen Mann für alle Promi-Fälle. Das ist Thies Deuble, 29, der sich zwar laut Visitenkarte „Gruppenkoordinator“ nennt, aber eigentlich als Starbeauftragter arbeitet. Er befasst sich mit den speziellen Wünschen, die mal größer, mal kleiner ausfallen können. Einen besonders großen Wunsch hatten eines Tages die zaubernden Tigerfreunde Siegfried & Roy: Sie orderten – nein, kein XXL-Katzenklo – sondern einen 7,5-Tonnen-Lastwagen. Für ihre Garderobe. Die weißen Großkatzen waren ja daheim in Las Vegas geblieben. Ob die beiden Herren dann ihre 2500 Kilo Klamotten am Tag auch getragen haben, vermag Thies Deubler nicht zu sagen. Eines jedoch weiß er: „Den Lastwagen haben wir besorgt.“

Etwas mehr in Atem hielt ihn ein anderer Tierfreund. Action-Star Steven Seagal, zu Dreharbeiten in Berlin, war auf den Hund gekommen. An einem Sonntag wollte er einen Deutschen Schäferhund kaufen – ausgewachsen und ausgebildet. „Irgendwo in Süddeutschland haben wir dann ein Tier aufgetrieben“, erinnert sich der Starbetreuer. Hatte er die Adresse in der Tasche? „Nein, nein. Aber ich habe meine Leute, die ich anrufe. Und die rufen dann wiederum jemanden an, der jemanden kennt, bei dem man anrufen kann.“

So lief es dann wohl auch mit den Händleradressen für das Bad in der Hyatt-Suite, das Celine Dion von der Stelle weg kaufen wollte. Auch das Adlon-Interieur hat seine Fans. Die Präsidentensuite, die im Stil einer New Yorker Privatwohnung der zwanziger Jahre eingerichtet ist, gefiel einem Gast aus Hollywood so sehr, dass er beim zweiten Aufenthalt einen Innenarchitekten mitbrachte. Der musste Zeichnungen machen, um eine originalgetreue Nachbildung für die Yacht des Stars anzufertigen.

Aber nicht nur die Hotels haben ihre Starbetreuer. Beim Filmkonzern Twentieth Century Fox beispielsweise laufen die Fäden bei Peter Schulze zusammen. Der Eventmanager organisierte mit seinem Team nicht nur den jüngsten Besuch von Pierce Brosnan und Halle Berry, sondern koordinierte schon viele andere Promi-Visiten. Besonders gern erinnert sich Schulze an seine Begegnung mit Tom Hanks, der vor einem Dreivierteljahr in der Stadt war. „Er hat sich brennend für Berlin interessiert und stellte viele Fragen. Er fand es sehr bedauerlich, nur so kurz hier gewesen zu sein.“

Auch einem anderen berühmten Tom, Frauenschwarm Tom Cruise, hat Peter Schulze jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Er wollte zur Premiere von „Minority Report“ unbedingt auf den Reichstag. „Keine Frage, dass wir trotz der knappen Zeit einen Besuch organisiert haben.“ Auch bei der Konkurrenz von ColumbiaTristar läuft ein ganzes Team zur Hochform auf, wenn die Stars im Anflug auf Berlin sind. Aber manchmal übt sich eben auch der oberste Boss als Starbetreuer: Jürgen Schau, der Deutschland-Chef der amerikanischen Filmfirma, spielte Stadtführer für Tommy Lee Jones, als der zur Premiere von „Men in Black II“ hier war. Auch diese Hollywood-Größe zog auf den Reichstag: „Wir waren dort oben essen, haben runtergeguckt – Tommy Lee war ganz begeistert“, sagt Jürgen Schau.

Und wie sind sie so ganz privat, die Glamourgrößen? „Ich habe noch nie jemanden erlebt, der richtig schlimm war“, sagt Twentieth-Century-Mann Peter Schulze. Gut, der eine oder andere Gast sei schon mal muffelig. Man müsse aber bedenken, dass die Stars oft schon eine Tour durch die halbe Welt hinter sich haben. „Es gab schon einige Leute, die ein wenig schwierig waren“, ergänzt Hyatt-Koordinator Thies Deubler. Dazu zählt er auch den US-Schauspieler, der sich eine Woche lang weigerte, seine Suite aufräumen zu lassen. „Wir mussten nachher das Bett von Pastaresten reinigen lassen.“ Einen Namen will Deubler nicht nennen. Das ist vielleicht besser so. Nachher denken die Fans, die Schauspielerei ist ein schmutziges Geschäft.

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