Berlin : Verlierer I: FDP befürchtet den Exitus

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Keine Stunde lief die Wahlparty der Berliner FDP, da war es, als hätten die liberalen Wahlkämpfer kollektiv den legendären Johnny Cash im Ohr: „I see a darkness“ – so heißt einer der düstersten Songs des großen Musikers, und er passte perfekt zum drastisch verkleinerten Selbstbewusstsein derer, die mit dem Spitzenkandidaten Martin Lindner der Wahlprognose entgegengehofft hatten. 4,8 Prozent bundesweit: Das war kein Grund zur Hoffnung mehr. In Berlin fiel das Ergebnis mit 3,5 Prozent noch schlechter aus.

Lindners Mitstreitern war anzusehen und anzuhören, dass sich an diesem Sonntagabend in „Habels Weinkultur“ in Mitte genau das zum Wahlergebnis verdichtete, was viele im Wahlkampf erahnt hatten: Die Performance der FDP in der Bundespolitik war so, dass sich viele bei der Wahl die Frage „Wozu FDP?“ gestellt hatten – und auch Lindner meinte, die FDP hätte in der letzten Wahlkampfwoche ihre Leistungen deutlicher herausstellen müssen. Während der Beamer die Ergebnisse der anderen Parteien auf die Leinwand warf, zerfiel die mit Bier und Wein gerüstete Berliner FDP in zwei Lager. Die einen bilanzierten die vergangenen vier Jahre negativ und sahen ihre Partei vor dem Exitus. „Die FDP gibt es doch nicht mehr bei diesem Ergebnis“, sagte ein führender Berliner Liberaler. Man sei eben nicht mit den Piraten zu vergleichen, die einfach so Politik machten. Die FDP brauche Strukturen in den Parlamenten, um am Leben zu bleiben.

Das andere Lager bestand aus denen, die das Desaster hatten kommen sehen und die gemerkt hatten, dass von der Sympathie der Leute, wie man sie 2009 gespürt hatte, nichts übrig war. „Wenn der Markenkern derart ramponiert ist“, so ein anderer Vormann der Berliner Liberalen, dann müsse man sich auf das Wesentliche besinnen und neu anfangen. Mit jungen Leuten – ohne diejenigen, die zur Zerstörung des Markenkerns in der Regierung beigetragen hatten. Die FDP geht in dunkle Zeiten. Werner van Bebber

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