• Verschlossene Tür versperrte Lottokönig den Fluchtweg Der 60-jährige Kreuzberger ist bereits das elfte Brandopfer in diesem Jahr.

Berlin : Verschlossene Tür versperrte Lottokönig den Fluchtweg Der 60-jährige Kreuzberger ist bereits das elfte Brandopfer in diesem Jahr.

In den meisten Fällen war die Todesursache Ersticken durch Rauchgase

Werner Schmidt

Der 60-jährige Mann, dessen Kreuzberger Lottoladen am Mittwoch nach einer Propangas-Explosion brannte, starb, weil er keine Fluchtmöglichkeit hatte. Die Hintertür des Ladens in der Wrangelstraße86 war verriegelt, vor den Fenstern waren Gitter zum Schutz vor Einbrechern angebracht. Der Mann ist in diesem Jahr bereits das elfte Opfer, das bei einem Feuer ums Leben kam. Mitte April waren zwei Frauen bei dem schlimmsten Brand seit Jahren in einem Wohnhaus an der Treskowstraße in Pankow erstickt.

Die wenigsten Brandopfer sterben durch die Flammen, die meisten ersticken im Qualm. Deshalb empfiehlt die Feuerwehr zum Beispiel bei Wohnungsbränden, Fenster und Türen zu schließen, damit möglichst wenig Sauerstoff vorhanden ist, der den Flammen Nahrung bietet. Wer auf den Balkon fliehen kann, ist dort relativ sicher vor Rauchgasen.

Auch der Besitzer des Lottoladens ist erstickt. Zuvor hatte er noch versucht, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu ersticken. Aber in dem vollkommen verqualmten Teil des Geschäftes verlor er schon nach ein paar Atemzügen das Bewusstsein, weil er Rauchgase eingeatmet hatte. Dazu kam die Panik, nicht fliehen zu können, weil die Tür mit einer Eisenplatte gesichert war. Der 60-Jährige war Lottokönig. Vor Jahren hatte der ehemalige Fließbandarbeiter bei Siemens mit einem Sechser im Lotto 800 000 Mark gewonnen und sich davon den Zeitungsladen mit Lottoannahmestelle gekauft. Ausgelöst hatte den Brand offenbar ein Heizofen im hinteren Teil des Ladens. Der Propangas-Ofen entzündete vermutlich ausgeströmtes Gas: Entweder war eine Leitung defekt oder das Gas war beim Wechsel der Flaschen ausgeströmt.

Die Zahl der Brände in Berlin ist mit rund 2300 bis Mitte Mai deutlich geringer als im Vorjahr mit 3000. Dafür sei die Zahl der Großbrände 2005 höher, sagte Feuerwehrsprecher Wolfgang Rowenhagen. Es begann bereits am Neujahrsmorgen mit dem Großbrand im Tip-Automarkt in Wedding. Am 1. Mai brannte ein Reifenlager in Schmöckwitz und beschäftigte die Löschmannschaften zwei Tage lang.

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