Verspätete Flughafeneröffnung : Fehler im System: Der Problem-BER ist zurück

08.05.2012 22:15 Uhrvon , und
Auf dem Boden der Tatsachen. „Abgesehen von Kleinigkeiten“ funktioniere die Rauchabzugsanlage, beteuerte die Flughafengesellschaft zuletzt. Am Montagabend war aus den Kleinigkeiten ein großes Problem geworden. Foto: DAVIDS/Darmer
Auf dem Boden der Tatsachen. „Abgesehen von Kleinigkeiten“ funktioniere die Rauchabzugsanlage, beteuerte die Flughafengesellschaft zuletzt. Am Montagabend war aus den Kleinigkeiten... - Foto: DAVIDS/Darmer

Im unwahrscheinlichen Fall eines Druckabfalls soll man an Bord eines Flugzeugs vor allem eines tun: Ruhe bewahren. Aber gilt das auch bei einer Großbaustelle? In Schönefeld droht ein Fiasko – und die Verantwortlichen ringen nach Luft.

Es ist für einen Politiker an manchen Tagen besonders bitter, das aussprechen zu müssen, was ohnehin jeder weiß. Am Dienstagmittag fällt diese Aufgabe Matthias Platzeck zu, dem brandenburgischen Ministerpräsidenten. „Die Eröffnungsfeier wird selbstverständlich nicht stattfinden.“ Er macht eine Pause. „Dafür gibt es derzeit keinen Anlass.“

In der Party-Hauptstadt Berlin fällt die Party aus. Für 30 000 Menschen war sie gedacht. Das ist dann also die Botschaft.

Die Eröffnungsfeier für den neuen Großflughafen Willy Brandt, die in drei Wochen ein neues Kapitel in der Berliner Verkehrsgeschichte hätte einleiten sollen, sie wird es nicht geben, weil es die Eröffnung selbst erst mal nicht gibt. Um mehrere Wochen muss die verschoben werden. Wie viele, ist unklar

Es ist der Fall, den alle fürchten, der schlimmste. Denn alle, wie sie da sitzen in der Airport World in Schönefeld, auf dem Podium dieser eilig einberufenen Pressekonferenz, Matthias Platzeck, Klaus Wowereit, Rainer Schwarz, sie erleben gerade etwas, vor dem bei jedem Abflug einer Passagiermaschine gewarnt wird. Man kann ihn beinahe spüren, den plötzlichen Druckabfall in der Kabine.

„Im unwahrscheinlichen Fall eines Druckabfalls“, sagen die Stewardessen und raten auf die Sauerstoffmasken zurückzugreifen, und dann rette jeder zuerst sich selbst.

Der oberste Flugbegleiter. Rainer Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen. Foto: dpa
Der oberste Flugbegleiter. Rainer Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen. - Foto: dpa

Matthias Platzeck, Klaus Wowereit, Rainer Schwarz, sie sitzen hier vor der versammelten Presse, weil sie, so Schwarz, „gestern Abend die Erkenntnis gewonnen haben“, dass der Flughafen nicht wie versprochen am Sonntag, den 3. Juni, eröffnet werden kann. Das wäre jetzt der Moment, in dem sich eine gewisse Lynchstimmung breitmachen könnte. Und Wowereit scheint das auch zu erwarten. „Am besten wär’s“, sagt er, „wenn man gleich irgend jemanden hängen würde oder so.“

Schwarz wird sich später entschuldigen. Er ist als Geschäftsführer auch verantwortlich. Platzeck wird „stocksauer“ sein und Wowereit stoisch auf die Erfolge verweisen. Wie weit diese beiden als Chefs des Aufsichtsrats ebenfalls verantwortlich sind, das wollen sie nicht so recht zeigen unter ihren Sauerstoffmasken aus aufmunternden Worten.

Sie sind dabei, sich selbst zu retten. Schon immer sei der Plan „ambitioniert“ gewesen. „Manpower“, „Baubeschleunigung“ – alles ist da. Aber es gebe Bereiche, „die entziehen sich einer Beschleunigung“, wehrt Wowereit die Verantwortung ab. Auch mit Geld sei nichts mehr zu machen.

Sehen Sie in der Bildergalerie: So soll der neue Flughafen aussehen

Mehrere Nachfragen können kaum herausbekommen, was an der Entrauchungsanlage denn da genau das Problem ist. Schwarz sagt, sie hätten „bei den Brandschutzmaßnahmen nicht den Reifegrad erreicht, der eine Abnahme erlauben würde“. Aber was ist der Reifegrad einer Entrauchungsanlage? 

– Also wurde zu langsam gebaut?

„So kann man das nicht sagen.“

Aber wie man es anders sagen könnte, darin versucht Wowereits sich mit einem merkwürdigen Satz. Sie hätten auch Verantwortung gegenüber den Leuten, die man jetzt nicht zwingen könne, ihre Unterschrift unter Abnahmen zu setzen. In Wirklichkeit ist die Flughafengesellschaft so weit von einer Abnahme entfernt, dass sie die nicht mal beantragen kann. Die vielen Komponenten haben zu einem zentralen Steuerungsproblem des Brandschutzsystems geführt. Das zu beheben, kann noch Wochen dauern.

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