Berlin : Vertretung des Vatikan: Der Papst hat wieder einen Botschafter in Berlin

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Die Eröffnung der neuen Vatikanbotschaft im Neuköllner Kiez um Hasenheide und Südstern wurde zum Gipfeltreffen von Kirche und Politik. Da stand Altkanzler Kohl, mit besonderem Beifall bedacht und vom Apostolischen Nuntius Erzbischof Giovanni Lajolo gewürdigt für seine "maßgebliche Rolle" bei der deutschen Vereinigung. Da freute sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, dass der geistliche Würdenträger nicht im Villenviertel, sondern im traditionellen Arbeiterbezirk Quartier bezogen habe. Und da äußerte der grüne Außenminister Joschka Fischer respektvoll so Grundsätzliches zum Verhältnis von Staat und Kirche, dass mancher der anwesenden Bischöfe sich gewundert haben mochte.

Fischer widmete seine Rede der Baustelle des gemeinsamen Hauses Europa. Für dieses "wichtigste außenpolitische Projekt" seien die im Christentum wurzelnden Grundwerte das Fundament. Er erinnerte an den Beitrag der Kirche allgemein und von Papst Johannes Paul II. persönlich zur Überwindung der Teilung Europas. Auch heute leiste der Vatikan einen "bedeutenden Beitrag für Frieden und Versöhnung". Spätestens da war verständlich, warum Lajolo sowohl Fischer als auch Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) für ihre stete Freundlichkeit dankte, die "etwas ganz Persönliches" habe.

Gut 56 Jahre, nachdem der letzte Apostolische Nuntius das von Bombennächten erschütterte Berlin verließ, kehrte der Botschafter des Vatikan, zugleich auch Doyen des Diplomatischen Corps, in die alte und neue Hauptstadt zurück. Er wolle, so Lajolo, an der Spree nicht Gast, sondern Mitbürger sein. Das Haus solle allen offen stehen, "keiner soll sich hier fremd fühlen." Dazu bietet der 15 Millionen Mark teure, zugleich repräsentative wie unauffällige Bau Gelegenheit - er liegt an der Grenze der Milieus von Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof.

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann - im Dialog mit Rom sturmerprobt - dankte Lajolo für "viel Hilfe und Unterstützung" und würdigte ihn als hervorragenden Nuntius und Baumeister. Passend sprach Sodano von der Rolle der deutschen Kirche, die Johannes Paul II. zu schätzen wisse. Die jüngste Ernennung von vier deutschen Kardinälen sei "Ausdruck der Weite seines Geistes und der Fähigkeit, mit unbestechlichem Blick die Wirklichkeit der Kirche in Deutschland mit ihren verschiedenen tragenden Elementen wahrzunehmen und sie trotz der Spannungen, die nicht zu leugnen sind, mit Hoffnung und Zuversicht zu beurteilen".

Dass der Beitrag der Kirche bei politischen Diskussionen gefragt ist, machte ein Schlenker in Fischers Rede deutlich. In der Bioethik-Debatte hätten die Kirchen eine "unverzichtbare Stimme. Auch anders Denkende sollten dies anerkennen."

Bei diesem Gipfeltreffen in Neukölln galt das offensichtlich auch für andere Themen. Kaum war das letzte Wort gesprochen, waren die Nationalhymnen verklungen, suchten Sodano und Kohl das Vieraugengespräch. Merkel wandte sich an den Kirchenfachmann für soziale Fragen, Bischof Josef Homeyer. Und auch Fischer und Schily suchten das Gespräch mit Kirchenvertretern. Und Sodano, der frühmorgens schon den Bundespräsidenten besucht hatte, machte sich auf den Weg zum Kanzleramt.

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