Videoüberwachung in Berlin : Bahn testet am Südkreuz Kameras mit Personenerkennung

Im Herbst beginnt am Bahnhof Südkreuz ein Test mit modernster Videotechnik. Berlins Datenschutzbeauftragte, Maja Smoltczyk,  kritisiert das Vorhaben.

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Im Testgebiet. Am Südkreuz soll hochmoderne Überwachungstechnik zum Einsatz kommen.
Im Testgebiet. Am Südkreuz soll hochmoderne Überwachungstechnik zum Einsatz kommen.Foto: Schöning/Picture Alliance

Freiwillige vor. Im Herbst beginnt am Bahnhof Südkreuz ein Test mit modernster Videotechnik. In dem Pilotversuch sollen zwei Techniken erprobt werden: die automatische Gesichtserkennung und eine automatische Alarmierung bei Gefährdungssituationen, zum Beispiel durch vergessene Koffer. Dies teilte das Bundesinnenministerium (BMI) jetzt mit. Das Südkreuz war für den bundesweiten Test ausgewählt worden, weil die 2006 eröffnete Station modern und mit 100 000 Fahrgästen am Tag nicht zu voll ist. Am Hauptbahnhof mit viel mehr Ebenen sind es 300 000. Beteiligt an dem Probelauf sind Bahn, Bundespolizei, Innenministerium und Bundeskriminalamt.

Der auf ein halbes Jahr angelegte Test mit der Gesichtserkennung soll zunächst nur Freiwillige erkennen. „Für den Feldtest werden freiwillige Testpersonen geworben, aus deren Lichtbildern eine Datenbank zum Abgleich erstellt wird“, teilte das Ministerium mit. Die Gesichter der Testpersonen sollen dann aus den laufenden Videoaufnahmen herausgefiltert werden. Wo sich Freiwillige bewerben können, wurde nicht gesagt. Auch steht nicht fest, welche Software von welchen Herstellern zum Einsatz kommt.

Ein richtig harter Test wird es offenbar nicht: Im Südkreuz soll es „umfassende Hinweise auf den Test und leichte Ausweichmöglichkeiten für Bahnreisende geben“, heißt es in der Mitteilung weiter. Anders formuliert: Terroristen, Diebe und Schläger können sich so bewegen, dass sie von den Kameras nicht erfasst werden.

Berlins Datenschutzbeauftragte kritisiert Test der Gesichtserkennung

Als im Februar bekannt geworden war, dass das Südkreuz als „Sicherheitsbahnhof“ für den Test ausgewählt wurde, hatte Berlins Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk die Gesichtserkennung als hochproblematisch kritisiert.

In dem zweiten Szenario soll „ein intelligentes Videoanalysesystem für die Behandlung und Auswertung verschiedener Gefahrenszenarios erprobt werden“. Die Kameras sollen also hilflose Personen ebenso wie herrenlose Koffer erkennen und Alarm schlagen. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) erhofft sich durch die neue Technik bessere Ergebnisse bei der Aufklärung von Straftaten: „Technischer Fortschritt darf nicht bei den Sicherheitsbehörden halt machen.“ Die Bahn baut in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei ihre Videoanlagen derzeit kontinuierlich aus. Bundesweit werden mittlerweile 900 Stationen videoüberwacht, in 50 großen Stationen werden die Bilder live überwacht. Die Zahl der Kameras in Bahnhöfen stieg im Jahr 2016 um 1000 auf 6000, durch sie werden mehr als 80 Prozent aller Fahrgäste bei der Bahn erfasst.

Wie am Sonnabend gemeldet, sollen nun die 500 Viertelzüge der S-Bahn-Baureihe 481 mit Kameras nachgerüstet werden. Anders als die BVG hatte sich die S-Bahn bislang wegen der hohen Kosten gesperrt. Die neuen Züge, die ab dem kommenden Jahrzehnt fahren sollen, sind bereits mit modernen 360-Grad-Kameras bestellt.

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