• Viel Glas, viel Holz, kein Beton - Erster Spatenstich neun Jahre nach dem Umzugsbeschluss

Berlin : Viel Glas, viel Holz, kein Beton - Erster Spatenstich neun Jahre nach dem Umzugsbeschluss

Eva Schweitzer

"Die Ersten werden die Letzten sein", meinte Nordrhein-Westfalens grüner Bauminister Michael Vesper, und: "Wir kommen langsam, dafür aber gewaltig." Die Landesvertretung des größten deutschen Bundeslandes entsteht nach einem Entwurf der Düsseldorfer Architekten Petzinka und Pink an der Hiroshimastraße am Tiergartenrand. Gestern schwangen Vesper, der Regierende Eberhard Diepgen und die Bevollmächtigte des Landes beim Bund, Heide Dörrhöfer-Tucholski, den Spaten. Auch SPD-Generalsekretär Müntefering, Bausenator Strieder, Renate Künast und Wolfgang Wieland von der Grünen sowie Stäv-Wirt Friedel Drautzburg waren gekommen.

Knapp 50 Millionen Mark wird die vierstöckige "Botschaft des Westens" (Vesper) kosten, die zwischen Friedrich-Ebert-Stiftung, japanischer Botschaft und Bremischer Landesvertretung liegt, wo die Nordrhein-Westfalen provisorisch untergekommen sind. Das Besondere ist die Bauweise aus Holzstäben, Glas und nur wenig Stahl um ein begrüntes Atrium, was das Haus nur halb so schwer und damit Energie sparend macht. Oberhalb des Keller wurde kein Beton verwandt. Dazu kommt ein begrüntes Solardach, Wärme und Strom werden mit Brennstoffzellen erzeugt, das vermindere den CO2

Ausstoß, sagte Vesper.

Im Dezember 2001 wird NRW als letztes Bundesland umziehen. In dem Land, das am heftigsten gegen den Umzug der "Bundesrepublik" (Diepgen) gekämpft hatte, war es lange umstritten gewesen, überhaupt eine Landesvertretung an der Spree zu bauen. Erst 1998, als auch der Bundesrat aus Bonn fort wollte, wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben.

Im April 1999 hatte die Wettbewerbsjury eine Vorauswahl getroffen. Da schoss der damalige NRW-Finanzminister Heinz Schleußer, ebenfalls Jurymitglied, quer. Er wollte das ganze Verfahren kippen, das Land solle in einen Altbau der WestLB - der nordrhein-westfälischen Landesbank - Unter den Linden ziehen, zur Miete. Von einem Quadratmeter-Preis von 35 bis 40 Mark war die Rede, das sei billiger, als neu zu bauen, hatte Schleußer erklärt. Vesper hatte dies stets bestritten: Langfristig sei es immer teurer zu mieten. Es gab eine Reihe von Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Vesper setzte sich durch. Heute sieht sich der Bauminister bestätigt, zumal Schleußer wegen zu enger Verquickungen zwischen Land und WestLB hatte zurücktreten müssen - Stichwort: Freiflüge auf Landesbank-Kosten. Vor allem aber habe man immer eine repräsentative, nach ökologischen Kriterien errichtete Landesvertretung haben wollen, statt Untermieter einer Bank zu sein, sagte Vesper. Aber so nahe am Regierungsviertel wie in Bonn, wo sich oft Koalitions- und Kungelrunden in der NRW-Vertretung trafen, ist das Berliner Haus nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben