Berlin : Viel Pop und ein bisschen Politik

Jimmy Somerville kann ausschlafen – alle anderen machen sich schön für den Umzug durch die Innenstadt

Matthias Oloew

Jimmy Somerville kann den Tag heute ruhig angehen lassen. Sein Auftritt auf der Abschlusskundgebung an der Siegessäule ist erst gegen 22.40 Uhr geplant. Somit hätte der britische Popstar, der Berlin schon seit den achtziger Jahren kennt, Zeit, um an der großen Parade zum 26. Christopher Street Day teilzunehmen.

Dort träfe er auf rund 500000 Teilnehmer und Zuschauer – und mittenmang auf Klaus Wowereit. Der Regierende Bürgermeister wird um 12 Uhr den Demonstrationszug an der Ecke Kurfürstendamm und Knesebeckstraße eröffnen – und dann auch weiterfeiern. Und am Schluss will Wowereit wieder auf der Bühne an der Siegessäule stehen.

Beim Christopher Street Day gehen Schwule und Lesben mit einem bunten Zug auf die Straße, um für ihre Lebensweise, aber auch weitere rechtliche Gleichstellung zu demonstrieren. Zum Forderungskatalog der Demonstration unter dem Motto „Homokulturell, multisexuell, heterogen“ gehört die weitergehende Anerkennung von Lebenspartnerschaften, wie zum Beispiel im Adoptions- und Arbeitsrecht. Zu diesem Thema soll an der Siegessäule ab 17 Uhr auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sprechen. Die Veranstalter vergeben außerdem ihre Zivilcouragepreise, diesmal unter anderem an die Veranstalter des CSD in Warschau.

53 Wagen ziehen quer durch die Stadt, erstmals ist auch die Berliner Feuerwehr dabei, ihr Motto: „112 – wir sind dabei“. Ab 22 Uhr findet dann die mit Showeinlagen gespickte Abschlussparty bis Mitternacht statt. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) überträgt ab 12.30 Uhr live von der Paradestrecke, die sich von der City-West bis zur Siegessäule streckt.

Einen zweiten CSD veranstalten die Kreuzberger. Er ist ein bisschen kleiner und startet ein bisschen später, nämlich um 14 Uhr am Rathaus Neukölln. Erwartet werden rund 3000 Teilnehmer, die über Karl-Marx-Straße, Hermannplatz, Kottbusser Damm, Kottbusser Tor und Adalbertstraße zur Oranienstraße ziehen, wo am Heinrichplatz ab circa 18 Uhr bis Mitternacht gefeiert wird.

Nachdem es im vergangenen Jahr am Rande des Christopher Street Day versuchte Vergewaltigungen im Tiergarten gegeben hatte, will die Polizei heute Abend mit Scheinwerfern den Park beleuchten und Zivilfahnder durch die Büsche schicken.

Nach der Absage der Love Parade ist der Christopher Street Day in diesem Jahr das größte Sommerspektakel in Berlin.

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