Berlin : Vitra Design Museum: Eröffnung im Prenzlauer Berg mit Werkschau von Verner Panton

Michael Brunner

Es ist vielleicht die längste Ausstellungshalle in Berlin. Immerhin 100 Meter liegen zwischen Anfang und Ende. Dazwischen gibt es kühn geformte Stühle aus Kunststoff, eine Wohnlandschaft in Orange und Blau und eine ganze Kollektion von Wohnzimmerlampen, die einer soeben gelandeten Ufo-Flotte ähneln. Alles stammt von dem dänischen Designer Verner Panton (1926 - 1998). Mit einer Ausstellung seiner Werke eröffnete das Vitra Design Museum gestern seine Berliner Dependance im ehemaligen Bewag-Umspannwerk "Humboldt" in der Kopenhagener Straße in Prenzlauer Berg.

Erst vor wenigen Monaten hatte der Berliner Stromversorger die Werbetrommel für mehrere ehemalige Umspannwerke in Berlin gerührt. Der Plan: Die Bewag suchte nach Mietern für mehrere inzwischen überflüssig gewordene Umspannwerke, darunter auch für die ehemalige "Phasenschieber-Halle" des Werkes "Humboldt". Bis vor ein paar Jahren standen dort hinter eindrucksvollen Klinkerfassaden mit Fenstern im Kathedralenformat riesengroße elektrische Anlagen. Die alten "Phasenschieber" sind längst auf dem dem Schrottplatz gelandet, die Halle ist jetzt Museum.

Verner Panton, der dänische Gestalter mit Wohnsitz in Basel, ist dem breiten Publikum weniger bekannt. Doch seine wichtigste Erfindung kennt fast jeder. Oder besser: Sicher hat fast jeder schon mal darauf gesessen: Der Panton-Stuhl, der erste Freischwinger aus Kunststoff, gehört zu den Klassikern des 20. Jahrhunderts. Großes Aufsehen erregte Panton im Jahr 1970 auf der Möbelmesse "Vsona 2" in Köln mit einer Wohnlandschaft in leuchtendem Orange, das er völlig unbekümmert "Phantasy Landscape" nannte.

Für heutige Betrachter erinnert die Phantasie-Landschaft an die Ausstattung von Raumschiffen, die vor drei Jahrzehnten im Kino und im Fernsehen zu sehen waren. Doch der "Großmeister des Sixties Designs" beschäftigte sich nicht nur mit Wohnlandschaften, Möbeln und Lampen unterschiedlichster Größe und Formen. Er entwarf auch Deko-Stoffe, Teppichböden, Möbelstoffe und Stoffe für Kleider. Entwürfe aus Pantons besten Jahren in der Zeit von Ende der fünfziger bis Mitte der siebziger Jahre sind in der Ausstellung im neuen Museum in der Kopenhagener Straße zu sehen.

Kritiker hoben nur die Augenbrauen, als die Bewag vor Monaten ihre 100 Meter lange, aber nur sieben Meter breite Halle präsentierte. Es erschien vollkommen unwahrscheinlich, dass sich ein Mieter finden würde. Aber wie das so ist: Die Experten vom Hauptsitz des Vitra Design Museums in Weil am Rhein mieteten die ehemalige Schaltwarte des Umspannwerkes gleich mit. "Dort wollen wir Sonderveranstaltungen wie Konferenzen, Vorträge und Gespräche anbieten", sagt Mateo Kries, der die Berliner Niederlassung leitet. Kries will Designer aus aller Welt in Berlin eine Plattform schaffen und Berliner Gestalter in allen Himmelsrichtungen bekannt machen. Auch Kinder und Jugendliche will der neue Museumsleiter in seinem Haus sehen. "Der Museumspädagogische Dienst wird Führungen mit Schulklassen machen", sagt er. Außerdem ist geplant, in Nebenräumen eine Werkstatt einzurichten. Dort sollen Jugendliche die Chance erhalten, von Fachleuten angeleitet selbst zu Säge, Hobel und Leimtopf zu greifen. Die selbstgebauten Möbel können zum Schluss mit nach Hause genommen werden. Einer, der bei der "Erfindung" des Panton-Stuhls in der sechziger Jahren dabei gewesen ist, erinnerte sich gestern. "Es ist einer der großen Würfe des Jahrhunderts", sagte Rolf Fehlbaum, der als Student in Basel bei Verner Panton in die Schule ging und die Startschwierigkeiten bei der Materialsuche miterlebte. "Panton hatte die Idee für einen Freischwinger aus Kunststoff. Aber das Material war nicht so gut wie heute, und brach", sagte Fehlbaum, und schilderte die weitere Entwicklung in einem Satz: "Der Stuhl galt damals als unrealisierbar und heute setzen wir uns einfach drauf." Geöffnet ist mittwochs bis sonntags 11 bis 20 Uhr.

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