Berlin : Vivantes baut drastisch Stellen ab

Fatina Keilani

Die Klinik-Gesellschaft Vivantes hat sich gestern gegen eine Privatisierung ihrer Krankenhäuser ausgesprochen. Sie gab außerdem ihre Pläne für die nächsten fünf Jahre bekannt. Darin ist vorgesehen, mehr als ein Drittel aller Vollzeitstellen zu streichen.

Den Privatisierungsvorschlag hatte die FDP in die laufenden Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen eingebracht. "Es gibt keinen Sinn, ein Unternehmen zu gründen, um es ein halbes Jahr später wieder aufzulösen", sagte Vivantes-Geschäftsführer Wolfgang Schäfer dazu. Das Unternehmen sei auf einem guten Weg.

Bis übernächstes Jahr will Schäfer mit der defizitären Gesellschaft die Gewinnzone erreichen. Dafür müsse Personal abgebaut werden. Gestern nannte die Geschäftsführung erstmals Zahlen: Von 13 500 Vollzeitstellen, die es im Jahr 2000 gab, fallen 3765 bis zum Jahr 2006 weg. Besonders ältere Mitarbeiter wolle man zum Ausscheiden motivieren, sagte Personalgeschäftsführer Ernst-Otto Kock. Bis 2003 werde es 1817 Mitarbeiter im Alter von mindestens 58 Jahren geben, und viele von ihnen seien bereit zu gehen, falls sie einen Ausgleich für die entgangene Rente erhielten.

Mit den Krankenkassen hat Vivantes eine Budgetvereinbarung in Höhe von 4,9 Milliarden Euro getroffen - die umfangreichste Vereinbarung, die auf diesem Gebiet je ausgehandelt wurde. Damit sind die Einnahmen klar. Nun müssen noch die Ausgaben gesenkt werden. Dafür will man die Bettenzahl von 6200 auf 5200 reduzieren und die verbleibenden Betten besser auslasten. Der durchschnittliche Patient soll künftig statt etwa zehn nur noch sieben Tage im Krankenhaus liegen.

Um das zu erreichen, plant die Vivantes-Geschäftsführung Umstrukturierungen. So sollen selbstständige Tochtergesellschaften gegründet werden, die sich um die einzelnen Arbeitsbereiche kümmern. Die Pflegeheime werden in einer eigenen Gesellschaft "Senioren" zusammengefasst. Ausgegliedert wird auch das Gebäude-Management, der Einkauf wird künftig zentral erledigt.

Ab 2004 rechnet Schäfer mit jährlichen Gewinnen von mehr als zehn Millionen Euro. Für dieses Jahr allerdings schreibt die GmbH, deren Gesellschafter das Land Berlin ist, einen Verlust von 190 Millionen Euro in die Bilanz - plus weitere 200 Millionen Euro Schulden bei der Bank.

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