Völkerverständigung : Ein Blog für die deutsch-griechische Freundschaft

Das deutsch-griechische Verhältnis ist angespannt. Das wollen die Macher eines Internetportals ändern.

Martin Niewendick
Ein Herz für Hellas. Blog-Gründerin Michaela Prinzinger.
Ein Herz für Hellas. Blog-Gründerin Michaela Prinzinger.Foto: Mike Wolff

Zur Begrüßung serviert Michaela Prinzinger griechischen Bergtee. Die 52-Jährige lebt in einer gemütlichen Altbauwohnung in Kreuzberg und hat einen Plan. „Ich möchte eine Gegenöffentlichkeit schaffen“, sagt sie. Es ist das Verhältnis zwischen Deutschen und Griechen, das ihr am Herzen liegt.

Im Herbst 2013 kam ihr die Idee, ein deutsch-griechisches Internetportal zu gründen. Zweisprachig sollte es sein, mit einem klaren Fokus auf Kulturthemen. Vor allem die griechische Literatur ist Prinzinger wichtig. Über zwölf Bücher hat die Wissenschaftlerin schon übersetzt. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Ihre Liebe zur Literatur ist offensichtlich: Der Flur in ihrer Wohnung wird von einem imposanten Bücherregal dominiert.

In die griechische Sprache hat sie sich bereits mit 17 Jahren verliebt, seitdem lassen sie Land und Leute nicht mehr los. Ende August 2014 ging die Seite diablog.eu endgültig an den Start. Das Themenspektrum reicht von Kochtipps über Musik bis zu Reiseberichten.

Vorurteile und Klischees abbauen

In Berlin leben nach Angaben des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg über 12 000 Menschen mit griechischem Pass. In ganz Deutschland sind es mehr als 283 000. Die Griechen bilden damit die viertgrößte Einwanderergruppe in Deutschland.

„Berlin war immer schon ein sehr beliebtes Ziel für Griechen“, sagt Prinzinger, die einer kleinen Redaktion vorsteht. Trotzdem gebe es auf deutscher Seite viele Vorurteile und Klischees über die Hellenen. Das liegt nicht zuletzt an der Euro-Debatte. „Ihr fahrt Europa an die Wand“, sei eines davon.

Die Kultur ist für sie ein Schlüssel zur Verständigung zwischen den Deutschen und den Griechen. Mit Politik beschäftigt sich Michaela Prinzinger eher ungern. Oft würde „zu emotional und irrational“ über das Thema diskutiert. „Das ist nur ein Thema, wenn ich es mit Kultur verbinden kann.“

"Griechenland fühlt sich isoliert"

„Griechenland hat gewählt, die Politiker mögen die gleichen oder andere sein. Was bleibt, ist Kultur und Kreativität“, schreibt Prinzinger in ihrem neuesten Beitrag auf diablog.eu. Darin interviewt sie den Schmuckdesigner Otsis, der eine Schmuckserie unter dem Namen „Grexit“ entworfen hat. Das Kofferwort setzt sich aus „Greek“ und „Exit“ zusammen und steht in der aktuellen Debatte für den Austritt Griechenlands aus der Eurozone. „Posts wie dieser sind meine Art, politische Themen zu kommentieren“, sagt Prinzinger.

Am Montag wurde der Vorsitzende der linksradikalen Syriza-Partei, Alexis Tsipras, zum neuen Regierungschef Griechenlands gewählt. Mit der rechtspopulistischen Partei „Unabhängige Griechen“ hat er sich auf eine Koalition geeinigt. Beide Parteien schlagen immer wieder antideutsche Töne an. Mit Deutschland an sich habe das nichts zu tun, meint Prinzinger. „Das ist eine ganz alte Geschichte: Griechenland gilt als die Wiege Europas, und nun fühlt sich das Land in Europa weitgehend isoliert.“ Dieses Gefühl sei es, in dem sich das jüngste Wahlergebnis widerspiegele.

Mit der Resonanz auf ihren Blog ist sie zufrieden. Bislang hätten rund 70 000 Besucher den Weg zu diablog gefunden. Die Redaktion besteht aus einigen festen Mitarbeitern, Studenten und freien Autoren.

Auch professionelle Übersetzungen bietet das Team an. Ihre rechte Hand ist der Architekt und Übersetzer Athanassios Tsingas. Er zeichnet für den griechischen Teil des Blogs verantwortlich. Und das macht viel Arbeit. Weil jeder Artikel vor der Veröffentlichung erst übersetzt werden muss, wird bisher nur zweimal in der Woche ein neuer Post online gestellt. Unter dem Namen „diabloggers“ gibt es allerdings auch eine Facebook-Gruppe, in der schneller auf aktuelle Geschehnisse reagiert werden kann. Die Website aber bezeichnet Prinzinger als das „seriöse Standbein“, da dort vor allem lange, fundierte Artikel ihren Platz fänden. „Man beginnt uns wahrzunehmen“, resümiert die Blog-Gründerin. Auf der Facebook-Seite zum Blog haben bereits mehr als 800 Menschen auf „Gefällt mir“ geklickt.

1 Kommentar

Neuester Kommentar