• Volker Berndt ist bei der Berliner Motorradstaffel und bahnt Staatsgästen den Weg durch die Stadt

Berlin : Volker Berndt ist bei der Berliner Motorradstaffel und bahnt Staatsgästen den Weg durch die Stadt

Annette Kögel

Wer den Mann mit dem Helm am stärksten beeindruckte? "Nelson Mandela. Der war ganz locker, da hatte man einen persönlichen Zugang." Roman Herzog wiederum sei als sehr penibel bekannt: "Da durfte man keine Minute zu spät kommen." Wenn Staatsgäste erscheinen, machen Volker Berndt und seine Kollegen den Weg durch Berlin frei. Der 35-Jährige ist einer von rund 120 Mitarbeitern im Zentralen Verkehrsdienst, die als "Weiße Mäuse" Dienst auf dem Motorrad tun.

Berndt bockt eine der 20 nagelneuen Fuhrpark-BMW im Hof an der Kreuzberger Friesenstraße 16 auf. ABS-Bremse und heizbare Handgriffe gehören zur Standard-Ausführung seines Dienstmotorrads, das die Bayerischen Motorradwerke in Spandau an Polizei und Regierungen in alle Welt verkaufen. Vorne links neben dem Tank sitzt eine zweite Batterie dort, "wo sonst das Radio eingebaut ist". Ganz hinten an der Maschine verbirgt sich unter einer Klappe ein Funkgerät. Aus den Lautsprechern zwischen den Sturzbügeln schallt bei Bedarf das Polizei-"Lalülala", und wenn die Blaulichter im Herzschlag-Rhythmus aufblinken, sieht die grün-weiße Maschine richtig offiziell aus. Infolge der Neuanschaffungen können nun einige ältere Modelle ausgemustert werden. Ingesamt besteht der polizeiliche Fuhrpark Berlins aus rund 260 Motorrädern.

Bis die "Weißen Mäuse" den Gästen den Weg bahnen, liegt minutiöse Organisationsarbeit hinter ihnen. Wer kommt wann wo an? Welche Straßen müssen wie lange gesperrt werden? "Für die Berliner ist das alles noch eine Umstellung", sagt Volker Berndt. Warten sei nicht ihre Stärke: Am Großen Stern beispielsweise ignorierten Autofahrer regelmäßig das Rotlicht. Vor dem Regierungsumzug eine Ausnahme, sind Staatsgäste heute drei-, viermal am Tag zu Gast. In Bonn seien die Wege viel kürzer gewesen, "hier müssen wir durch die ganze Stadt".

Wenn dann alle Räder stillstehen und die Autofahrer neugierig in die Limousinen gucken, können Berndt und seine Kollegen schon allein an der Anzahl der Zweiräder ablesen, wem da gerade "die Ehrerbietung einer Eskorte" gewährt wird. "Staatspräsidenten und die Queen bekommen 15, Außenminister drei". Auch für Demos machen die motorisierten Polizisten den Weg frei. Hohe Gäste begleiten die "Weißen Mäuse" bis zum roten Teppich am Flughafen. Wen er gern einmal eskortieren würde? "Viel lieber wäre mir, mal mit ihnen zu sprechen, weil einige dem normalen Alltag doch ein wenig entrückt zu sein scheinen."

Dass Berndt seinen Arbeitstag auf zwei Rädern verbringen wird, war ihm schon als Jugendlichem klar. "Schon mein Vater hatte eine NSU Max 250, und ich dann später ein Zündapp-Moped." Der 35-jährige Familienvater hat sich mit seinem Job "einen Traum erfüllt". Bei der Polizei ist er seit 1985, 1991 wechselte er zum Verkehrsdienst. Besondere Voraussetzungen brauche man für den Dienst als "Weiße Maus" nicht (Infos: Telefon 699 34 111). Doch der All-Wetter-Dienst ohne Klimaanlage und Stoßstange scheint nicht jedermanns Sache zu sein, es werden noch "Weiße Mäuse" gesucht.

So freut sich Volker Berndt auf die nächsten Einsätze, bei denen "man mit so vielen anderen in der Eskorte schon ein tolles Gemeinschaftsgefühl entwickelt". Der Mann wird des "Karrefahrens" wohl nie überdrüssig: Jeden Tag düst er mit einer BMW-Enduro zur Arbeit.

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