Berlin : Volle Lager, halb leere Kassen: Letzte Hoffnung SSV

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Von Heidemarie Mazuhn

und Suzan Gülfirat

„Ruinieren Sie uns“, fleht das KaDeWe seine Kunden an – und verschleuderte schon gestern Herren-Businesshemden für 29 statt 79,95 Euro. Auch bei Peek und Cloppenburg, bei Wertheim am Ku’damm, bei C&A, in der Galeria Kaufhof am Alex oder bei Karstadt am Hermannplatz wühlten am Sonnabend massenhaft Kunden in Sonderangeboten und sondierten die Lage. Denn die wahre Jagdsaison beginnt morgen: Vom 29.Juli bis zum 10.August ist Sommerschlussverkauf. Und der Handel hofft auf Spitzengeschäfte. KaDeWe-Geschäftsführer Ulrich Schmidt erwartet gar den heißesten SSV überhaupt. Die Geschäftswelt hat es bitter nötig: „Die Konjunktur ist schlecht“, gibt Schmidt zu. Und nicht nur am Wittenbergplatz sind die Lager „voll bis unters Dach“.

Geradezu katastrophal ist für den Berliner Einzelhandel das erste Halbjahr verlaufen – eines der schlechtesten seit Kriegsende, sagte gestern Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Berliner Einzelhandelverbandes. Vor allem die Branche Textilien sei hart getroffen. „Die Kunden sind beim Geldausgeben vorsichtiger“, glaubt Busch-Petersen und kündigt für den SSV Preisreduzierungen von bis zu 80 Prozent an. Händler nennen als Grund für die Ebbe in der Kasse auch den bisher ausgefallenen Sommer mit eher herbstlichen Temperaturen – aber ebenso die allgemeine Einstellung zum Euro. „Viele Kunden sind überzeugt, dass alles teurer geworden ist“, sagt Geschäftsführer Dieter Zeih von der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz, setzt allerdings hinzu: „Das ist falsch.“

Doch Kunden, die gestern in den Arkaden am Potsdamer Platz nach den ersten Schnäppchen suchten, fanden die Preise zu hoch. Preissenkungen von derzeit 30 Prozent überzeugten nicht. „Wenn man umrechnet, sind die Sachen noch zu teuer“, sagt Imke Wulf aus Bremen, mit ihrer Mutter zu Besuch in Berlin. Dieter Woike aus Tegel rechnet grundsätzlich in Mark um: „Aber ich habe das Gefühl, dass vieles einfach eins zu eins verteuert wurde.“

„Man sucht nach günstigen Sachen, so wie früher“, sagt seine Ehefrau Monika und meint damit „T-Shirts und Tops für fünf oder zehn Mark.“ Dabei warben viele Geschäfte schon gestern mit riesigen roten Zahlen für Preisnachlässe von 50 bis 70 Prozent – allerdings kleingedruckt darunter: für Einzelteile. „Es ist nicht so, dass mir ein Schnäppchen nach dem anderen in die Hände fällt“, sagte Christiane Südhoff aus Münster und hofft auf den SSV.

Der Einzelhandel versucht positiv zu überraschen, verspricht „die ganze Welt für 7 Euro“ (Kaufhaus Strauss) oder „extra scharf reduziert“ (Galeria Kaufhof) – „15 000 Teile für je 5 Euro“ – in seligen DM-Zeiten immerhin knapp zehn Mark, die nun im SSV etwa für einen Damenslip verlangt werden. Der Textilanbieter Ebbinghaus will „zwar nicht die Sterne vom Himmel holen“, behauptet aber: „Dafür waren unsere Preise ja auch nicht auf dem Mond“. Und Karstadt geht sogar mit einem Snack auf Kundenfang: „SSV mit Milch und Zucker“. Das 1-Euro-Frühstück soll es in Filialen mit Gastronomie bis zum 3. August geben.

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